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4 (1839) Erster Theil, enthaltend die Staaten des Deutschen Bundes, so wie die Gesammtländer der Preussischen und der Österreichischen Monarchie / von Dr. Heinrich Berghaus
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Europäisches Staatensystem.

weiter gegen den Aufgang dringenden Kultur für ganz Europa nothwen-diger Weise hervorgehen muß. Zwei Zugänge für die Seeschiffe zur Stadt,der Hafen am Lidv, und der Hafen der kl. St. Ma l am o c c o, deren Mün-dungen von Fvrts vertheidigt werden, der eigentliche Hafen aber ist im großenKanal Giudecca. Die Venetianer zeichnen sich noch immer durch regenGewerbflciß aus, ihre Seife, ihre Gvldketten, Glasperlen, Glaswaaren,Strohhüte, Wachsmaskcn geben die Artikel zu einem sehr bedeütendenHandel mit dem Auslande, wozu noch die Produkte der Tuch- und Sei-denfabrikation, der Steingut- und Wachslicht-, der Spiegel- und mehrereranderer Fabriken kommen. Wie gering die Rhederei, wie gering derSchiffsverkehr des Hafens von Venedig, im Verhältniß zu Triest, ist, daszeigt die schon früher mitgetheilte Übersicht dieser statistischen Momente.Von Ortschaften in den Umgebungen Venedigs, sämmtlich innerhalb dervenetianischen Provinz, die theils auf Lagunen-Znseln, theils aus der Terraferma, dem festen Lande, liegen, bemerken wir: zuerst die ansehnlicheStadt Chioggi a, südlich von Venedig, und wie dieses auf einer Lagunen-Znscl, der Stapclvrt für alle über Verona und auf der Etsch ankommen-den Waaren, mit sehr bedeütender Küstenschiffsahrt und Rhederei; 23,717I., die außer jenen Gewerben auch Schiffbau, Baisalzbereitung undSpitzenfabrikation betreiben. Es ist hier der Sitz eines Bischofs, thevlog.Seminar, Gymnasium und viele Elementarschulen, so wie eine Mengemilder Stiftungen. Eine Kanal verbindet die Etsch mit den hiesigen La-gunen, und eine prachtvolle Steinbrüche die Stadt Chioggia mit der vonder Terra ferma auskaufenden Landzunge von Brvndolo. Auf der Nord-seite von Venedig liegen die Lagunen-Jnseln S. Erasmo, Cavallino,welche die Küchen- und Blumengärten Venedig's sind, so wie Burano,einer Lagunenstadt mit 4764 I., wo drei Schiffswerfte für Kauffahrtei-schiffe sind; sodann S. Michele und Murano, letztere mit 3754 Z.,wo die Glas-, Spiegel- und Glasperlfabriken ihre Werkstätten aufge-schlagen haben; ferner Lazzarv, wo in dem daselbst vorhandenen Mcchi-taristenklvster eine Bildungsanstalt für junge Armenier besteht, mit derreiche Sammlungen und eine armenische Buchdruckern verbunden sind;Mestre, mit 3543 I., und Dolv, beide auf dem festen Lande, in undbei letzterer Ortschaft zahlreiche Villen der venezianischen Patrizier unddas k. Schloß Stra.

Bassano, in der Delegation Vicenza, an der Brenta, schöngebaute königl. Stadt, mit 30 Kirchen, einem Schloß und vielen Palästen.Gymnasium, große Buchdruckern, die für die bedcütendste in ganz Italiengilt. 9559 I., die Strohhutfabriken und einen sehr lebhaften Handels-verkehr unterhalten. Mr. Maret, französischer Finanzminister des Napo-leonischen Kaiserreichs, der auch später noch ein Mal auf der Schaubühnedes Staatslebens für einen Augenblick aufgetreten ist, führt von Bassanoden Herzogstitel. Drei Stunden nordöstlich von Bassano liegt Possagno,der Geburtsort Canova's (j- 1822), wo derselbe eine Kirche erbaute, diezu den vorzüglichsten Denkmälern neürer Architektur gehört.

Bclluno, k. und Hauptstadt einer Provinz, am rechten Ufer derPiave, Sitz eines Bischofs und Domkapitels, das eine reiche Bibliothekbesitzt. 3460 I., die Seidenspinnerei, Wachsbleicherei, Handel mit Höh