10 Amerikanisches Staatensystem.
winden, deren Ufer mit Gürteln des hochstämmigsten Waldes ringe«faßt sind.
Eden so interessant wie in seinen Gebirgszügen ist Amerika auchdurch seine Stromgebiete und Wassersysteme, die in Nord-Amerika durchfünf» in Süd-Amerika durch vier Wasser>chciden gebildet werden. Nie-senströme, die von keinem andern Flusse der Erde weder in der Längeihres Laufs, noch in der Breite des Wasserspiegels, noch in der Tiefeihres Fadrwasserö erreicht, geschweige übertreffen werden, und deren Lauferst das mannigfach-modlsicirle Gehänge des Landes zeigt, einzelne Strömeaber auch beweisen, das) nur der Zufall, eine gewaltsame Erderichütte-rung, eine den ganzen Erdlheil, vielleicht den ganzen Erdball berührendeUmwälzung, ihr Bette gebildet, ihren Lauf geregelt haben kann, andereaber, wie viele in Süd-Amerika, die sich in Seen, oder im WestenNord-Amerika's, die sich in Salzseen verlieren, darthun, daß ihr Strom-gebiet noch keineswegs ausgebildet ist, daß sie erst noch mit der Zeit ihrBett graben, und durch allmälige Durchbrüche neue Ausflüsse, ja neueStromgebiete schaffen werden. Sie empfangen ihre Nahrnng theils vonden ewigen Schnee- und Eismaffen des Nordens und den inneren Quel-len der Gebirge, theils und eben so sehr aus den Niederungen undWäldern, welche die Ebenen bedecken, und beweisen zugleich an einzelnenStrömen, daß die Natur nicht großer Gebirgsstöcke bedarf, um bedeu-tende Flüsse in's Dasein zn führen. Die mächtigsten Ströme und Strom-gebiete sind, in Nord-Amerika: der Mackenzie, der St. Lorenz, der Hud-son, die Susqnehanna, der Potvwmac, der Mississippi, der Vater derStröme, dessen Stromgebiet einen Fläckenraum von 68,008 lü Meilenumfaßt, und von dessen riesenhaften Zuflüssen: der Missouri und Ohioeigene Stromgebiete bilden, und der Columbia, welcher dem Australoceanzuströmt; in Süd-Amerika: der Orinocv, der Amazonenflnß, welcher al-lein über sechszig Ströme aufnimmt, die der Donau gleich kommen, undder Nio de la Plata, die alle in den atlantischen Ocean münden. —Neben diesen ungeheüren Stromgebieten besitzt Amerika viele große,höchst bedeütende Landseen, vorzüglich aber jener Theil Nord-Amerika's,welcher zwischen Lat. 40° und 67° N. sich öffnet, und von denen wir hiernur den Obernsee, den tznron, Michigan, Erie und Ontario; in Mit-tel-Amerika: den Nicaragua-See, und in Süd-Amerika den Maracaibverwähnen. — Kanäle besitzt der Erdcheil, mit Ausnahme der VereinigtenStaaten, welche in dieser Hinsicht das Größte geschaffen haben, wasVölker bisher zu Stande brachten, nur wenige. — Die Wasserkräfte derwestlichen Welt tragen hauptsächlich dazu bei, das Land in Flor zudringen, und der Benutzung derselben, so wie der des Dampfes, derhier zuerst auf die Schifffahrt angewendet wurde, hat, abgesehen vonden liberalen Institutionen, Amerika seinen Aufschwung zu verdanken.
Von jeher als ein Eldorado betrachtet und durchaus mit den glü-hendsten Farben geschildert, ist gleichwohl der Boden Amerika's, wieallenthalben, höchst verschieden: der hohe Norden ist sehr unfruchtbar,weil die Strenge des Klima'S daselbst stets der Vegetation entgegentritt,und folglich keine Dammerde bilden läßt, und aus demselben Grundevermehrt sich auch die Fruchtbarkeit des Bodens, je mehr man sich demSüden nähert. Von dort aus, wo zuerst zusammenhängende Waldun-gen beginnen, bemerkt man eine reiche Dammerbcschichte, die sich ver-stärkt, je näher man dem Tropenlande kommt, und jenseits des Glei-chere, in Süd-Amerika, in demselben Verhältniß wieder abnimmt, je