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einen Brcitegrad geringer ist, als in den näher dem Aeguatorliegenden Gegenden. Wenn wir nämlich den obigen Unterschiedvon 4 Tagen auf einen Brcitegrad für Deutschland (von47°22'bis 5404 ') gelten lassen, so ergibt sich (nach Schüblers Be-rechnung) für einen Grad in der Breite zwischen Smyrna unddem südlichen Deutschland (von 38s° bis 48s") eine Verzöge-rung vvn 5, 6 Tagen (also über Tage mehr), dagegen füreinen Brcitegrad zwischen Hamburg und Christian« (von 55" 34'bis 59° 55') ein Unterschied von 2,92 Tagen (also über 1 Tagweniger) für den Anfang der Blüthezeit der nämlichen Pflanzcn-arten , so daß also in den höbercn geographischen Breiten dieBlütlnm sich verhältnißmäßig schneller entfalten als in den mehrsüdlichen Ländern. Dieses steht ohne Zweifel mit der schnellernZunahme der TagcSlänge und der in den FrühkingSmonaten schnel-ler steigenden Wärme in diesen höhern Breiten in nächster Be-ziehung; der Frühling ist dadurch viel kürzer, die Blüthezeitender Frühlings- und Sommcrpflanzen nähern sich mehr, undmanche derselben blühen in diesen hvhern Breiten sogar gleichzei-tig. Ein ähnliches ichnelleres, oft beinabc gleichzeitiges Blühenvon Pflanzen, die sonst in entfernteren Zeitabschnitten ihre Blü-then entfalten, bemerken wir auch in unsern mittleren geographi-schen Breiten, wenn nach einem langen gleichförmigen Winterschnell sehr warme FrnhlingSwittcrung eintritt. In den mehrsüdlichen Gegenden findet ein entgegcngeseztcS Verhältniß statt;dort ist der Wechsel der Jahreszeiten und der Temperaturen ge-ringer, er erfolgt weniger schnell, und die Jahreszeiten sind sichähnlicher; dadurch werden aber die Unterschiede in der Zeit derBlüthenentfaltnng bei gleichen Entfernungen für die nämlichenPflanzenartcn großer.
Die>e progressive Abnahme der Verzögerung der Blüthczeitmit der Zunahme der geographischen Breite zeigt jedoch mancheSchwankungen, welche durch den Einfluß der verschiedenen Höheder Orte über dem Meere und ihrer mehr offenen oder geschüz-ten Lage bewirkt werden. So tritt z. B. um Heidelberg die Be-raubung der Bäume und die Blüthczeit früher ein als um Tübin-
und NegenSburg, welche zwar südlicher, aber gegen 700 Par.§uß höher liegen; so beträgt der Unterschied in der BlüthczeitZwilche» Jena und NegenSburg keinen vollen Tag, obgleich jener