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Durch die Erweiterung des natürlichen Vcrbreitungsbezirks,auf dem Wege des künstlichen Anbaues, hat sich indessen auchnothwendig die natürlich« Verthcilnngsweise vieler Pflanzen undmit dieser die ursprüngliche Physiognomie der Gegenden geändert.Dazu gibt namentlich unser Vaterland einen der besten Belege.Als die Römer Germanien kennen lernten, fanden sie das ganzeLand mit ungeheuren Waldungen bedeckt und das Klima so rauhund kalt, daß Tacitus zu dem Ausspruche veranlaßt wurde, eswerde am Rhein nie eine Kirsche, viel weniger eine Traube ge-deihen. Wie sehr muß sich also der Charakter der Vegetationmit der Ausrenkung jener Wälder und der Trockenlegung der zahl-reichen Sümpfe geändert haben, da wir jezt nicht allein bis inden Norden von Deutschland weit ausgedehnte Getreidefelder,sondern auch am Rbcin, neben einer reichen Fülle der edelstenDbstartcn, die schönsten Rcbgrlände erblicken. Es tragen aberüberhaupt die im Großen angebauten Nutzpflanzen wesentlich zurBestimmung des Charakters einer Gegend bei, und cö ist Jeder-mann bekannt, wie verschieden die Eindrücke sind, welche größereStrecken, je nachdem sie z, B. mit hoch hinanwindendcm H vpfe n,mit dichtgedrängtem, starrstenglichem Hanf oder Lein, mit derdüster grünen Kartoffel, mit schlankem Mays, mit groß-blätterigem Taback oder mit schön buchendem Gartcnmohnbepflanzt sind, auf das Gemüth des Beschauenden machen. Undalle hier genannten Pflanzen, die wir gegenwärtig in Deutschland,wenigstens in dessen südlichern Hälfte, im Großen angebaut sehen,lind, mit Ausnahme des Hopfens, aus andern Wclttheilen einge-führt worden, und haben also, wie noch viele andere, eine Ver-änderung ihrer natürlichen Vertheilungswcise erlitten, indem siezugleich den Gegenden, wo ihr Anbau betrieben wird, ein vonihrem ursprünglichen sehr verschiedenes Ansehen verleihen.
§. 282 .
Was die natürliche Vertheilungsweise der Pflanzcnarten aufder Erde betrifft, so läßt sich diese einmal mehr im Allgemeinennach den Hanptabtheilungcn des Pflanzenreiches, dann aber auchwehr im Besondern nach den einzelnen Familien und Gattungenverfolgen. Dabei ist jedoch wohl zu merken, daß bei weitem nochnicht alle Theile der Erde in Bezug auf ihre Vegetation untersucht,
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