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In dem Obigen haben wir uns des Ausdrucks: Mittlere Tempera-tur, bedient, ohne zu wissen, welchen Begriff man damit verbindet. Diewahre mittlere Temperatur ist diejenige, welche, wenn sie den ganzen Tag,Monat, oder das ganze Jahr Statt fände, denselben Wärme-Effekt her-vorbringen würde, als die Summe der in stetiger Folge wirklich Stattfindenden Temperaturen. Denken wir uns aus diesen letzter», oder viel-mehr aus den ihnen entsprechenden Thermometerständen eine krummeLinie konstruirt: so wird die mittlere Temperatur dem'Flächeninhalt die-ser Kurve proportional sein müssen, und um so genauer ausfallen, jemehr Ordinate» der Kurve, d. h. einzelne Thermometerftände wir zubeobachten im Stande sind; ja wir dürfen annehmen, daß der Flächen-inhalt der krummen Linie genau bekannt werde, wenn die den Ordinate»entsprechenden Abscissen Zeitintervallen von einer Minute bilden; dannwürde die mittlere Temperatur eines von Mittag zu Mittag gerechnetenTages gleich sein dem Quotienten, der entsteht, wenn man die Summeder thermometrischen Beobachtungen durch 24^- x 60»° — 1440»° dividirt;und theilte man ferner die Summe aller dieser einzelnen Resultate mit365, so erhielte man die mittlere Temperatur des Jahres. Da aberMessungen von diesem Umfange von einem einzigen Beobachter nicht aus-geführt werden können, so hat man darauf Bedacht nehmen müssen, die-jenigen Zeitmomente des Tages zu ermitteln, wo das arithmetische Mittelder beobachteten Thermometerstände der wahren mittlern Temperaturgleich, oder mindestens nahe gleich ist.
A. von Humboldt — der Begründer der wissenschaftlichen Bearbei-tung dieses, so wie vieler andern Zweige der physikalischen Geographieund der Naturforschnng überhaupt — hat unter diesem Gesichtspunkteeinige Reihen von Beobachtungen, die von Stunde zu Stunde, in verschie-denen Jahreszeiten, unter dem Äquator und zu Paris angestellt wurden,untersucht und gefunden, daß die halbe Summe der höchsten und niedrig-sten Temperatur jedes Tages im Allgemeinen nur um einige Zehntheileeines Grades von der strengen, aus allen Beobachtungen hergeleiteten mitt-lern Temperatur abweicht und diese ersetzen kann. Die Zeitmomente aber,wo das Maximum und Minimum der Tages-Temperatur eintritt, bestimmter, nach astronomischer Weise gerechnet, auf 2^- und Sonnen-Aufgang.Indem Humboldt ferner eine große Anzahl zwischen den Parallelen vonLat. 46° und 48° 9t. angestellter Beobachtungen berechnete, fand er, daßdie einzige Zeit des Sonnen-Untergangs eine Temperatur giebt, die nureinige Zehntheile von derjenigen abweicht, welche durch die Beobachtungenbeim Aufgang und um 2?° gefunden wird. Später haben Schouw und