303
über dem Lande. Aber dicht an den Gestaden herrschen oft Land- undSee-Winde.
Hohes Land hält mehr als niedriges Land den regelmäßigen Fortgangder Winde auf; denn ein stehender Passat setzt über einen beträchtlichenStrich niedrigen Landes weg, ohne in seiner Richtung oder Geschwindig-keit wesentliche Abänderungen zu erleiden, besonders wenn das Land trockenund von Feuchtigkeit enrblößt ist. Wenn aber der Wind mit hohem Landeoder Gebirgen in Berührung kommt, so wird er bei dem Strömen überihre Gipfel zusammengedrückt, da die Atmosphäre am Fuß der Bergewärmer ist als an ihren Gipfeln; folglich wird die Luft bei ihrem Auf-steigen abgekühlt und oft zu feuchten Wolken oder Nebeln kvndensirt, dieauf den Bergspitzen in Gestalt von Nebel oder als feiner Regen denNiederschlag bilden. Dies kann man oft am Tafel-Berge des Vorgebir-ges der Guten Hoffnung beobachten, oder an hohen Inseln zwischen denWendekreisen, wenn die Sonne in den untern Luftschichten hell scheintund ringsum klares Wetter ist.
Das Verweilen der Sonne in jeder Hemisphäre hält die Regelmäßig-keit und Stärke des Passatwindes in dieser Hemisphäre bedeutend anf.
Die Monsune wehen in den Ostindischen Gewässern beständiger alsin jedem andern Meere, besonders auf der Nvrdseite des Äquators, vonder Afrikanischen Küste bis zur Oftseite des Meerbusens von Bengal, undeben so im Chinesischen Meere, doch mit etwas geringerer Regelmäßigkeitim nördlichen Theil desselben. Diese Winde verdanken ihr Dasein haupt-sächlich der Lage des Landes, über welches der scheinbare Lauf der Sonnegeht, denn da die langgestreckten Küsten von Arab'ien, Persien, Indienu. s. w. bedeutend erwärmt werden, wenn die Sonne senkrecht über ihnensteht, so wird die Atmosphäre daselbst dünner, und ein S.W. Wind wehtvvm Ocean gegen das Land, nm das Gleichgewicht, wieder herzustellen.Dieser auf dem Ocean entstehende Luftftrom ist mit Feüchtigkeit in Ge-stalt von Gas in hohem Grade geschwängert, die sich nach und nach zuRegen kondensirt und aus die in südwestlicher Richtung dem Ocean zuge-wendeten Küsten von Ostindien in großen Massen herabftrömt. Geht dieSonne in die südliche Hemisphäre über, so wird dort die Atmosphäre be-deütend verdünnt; das Land auf der Nordseite trennt sich durch Ausdün-stung und kalte Nordwinde bald von seiner Erwärmung und die auf ihmruhende Atmosphäre wird dichter; dann entsteht in der nördlichen Hemi-sphäre ein Nordost-Monsun, der gegen die erwärmten Theile am Äquatorströmt. Dies ist die trockene Jahreszeit an den Küsten von Ostindien,denn da der Wind vom Lande herweht, so bringt er schönes Wetter,