Wirkung der Galle. 159
Diejenigen Verbindungen, welche ihre tropfbar flüssige Form bewahrenund vielleicht manche, die nach und nach abermals aufgelöst werden,kehren in das Blut von Neuem zurück. Die in der Thierwelt durch-greifende Einrichtung, daß die Galle hoch oben in den Anfangstheil derdünnen Gedärme ergossen wird, läßt eine doppelte Deutung offen. Dajene Absonderung die Nahrungsreste auf dem größten Theile ihres Weges- begleiten muß, so könnte sie die Bestimmung haben, die Verdauungwesentlich zu unterstützen. Es wäre aber auch nur möglich, daß die pas-sende Sonderung der Galle in lösliche, der Aufsaugung fähige und dichte,zur Ausstoßung bestimmte Bestandtheile die Mitwirkung der dünnen undder dicken Gedärme nöthig hätte. Die Veränderungen, die sie in denSpeiseresten hervorruft, wären bloße Nebenerscheinungen von mehr oderminder untergeordneter Bedeutung.
h. 469. Die bisjetzt vorliegenden Erfahrungen können zwischen die-sen beiden Vorstellungen mit Sicherheit nicht entscheiden. Da die Ver-dauung in der Gelbsucht oder bei der Anwesenheit künstlicher Gallen-sisteln nicht vollkommen aufhört, so ergiebt sich, daß die Galle für denallgemeinen Hergang nicht unerläßlich ist. Die physikalischen Eigenschaf-ten der Kothmassen deuten aber schon an, daß jene Flüssigkeit gewisser-maaßen den Regulator und vielleicht sogar ein nicht unbedeutendes Be-stimmungsglied der eigenthümlichen Selbstzersetzung der Nahrungsreste dar-stellt. Man stößt hierbei auf viele Unbestimmtheiten, weil die Chemie indie hier in Betracht kommenden Fäulnißerscheinungen zu wenig vorge-drungen ist.
h. 470. Da die frische Galle keineswegs stark alkalisch ist, sondern neu-tral erscheint oder höchstens eine sehr schwache Alkalescenz darzubieten pflegt,so fällt die früher häufig vorgetragene Ansicht, daß sie den sauren Speise-drei neutralisiern solle, von selbst hinweg. Hat auch der obere Theil desInhaltes der dünnen Gedärme Gallenstoffe in reichlichster Menge aufge-nommen, so behält er doch seine saure Beschaffenheit in der Regel bei.Die freie Säure wirkt dagegen auf die Galle zurück. Die Farben derin dem Darm vorhandenen Massen erklären sich aus dieser Thatsache inziemlich genügender Weise.
tz. 471. Verfolgt man den Darminhalt längs der dünnen und derdicken Gedärme, so findet man, daß er zuerst gelblich bis gelblich grün,dann grüner und zuletzt braun zu werden Pflegt. Braune mikroskopischeMassen treten früher, als diese Farbe dem freien Auge auffällt, vereinzelt auf.Behandelt man Galle mit geringen Säuremengen oder mit angesäuerterVerdauungsflüssigkeit, so kann man gelbgrüne bis grüne Niederschlägtkünstlich erzeugen. Der nicht angesäuerte Magenschleim, das Kochsalzoder der'Salmiak führen diese Veränderung nicht herbei. Man darf da-her schließen, daß der Gallennicderschlag, welchen der saure Inhalt desoberen Theiles der dünnen Gedärme bedingt, jener Farbenveränderungzum Grunde liegt. Er besteht vor allem aus Gallenblasenschleim, der