Milchsaft.
ilvpfba/fliiss-sig'r Körper.
186 Mechanik der Eiusaugung
es aber, daß sie zuvor häufig genug in die Lymphe gelangen, mit dieserin den Saugadern oder den Lymphgefäßen weiter fließen und erst späterdem Blute beigemengt werden. Man muß daher den unmittelbaren undden mittelbaren Uebergang in die Blutmasse, den Uebertritt in das Blutund den in die Lymphe, so sehr es angeht, zu unterscheiden suchen.
§. 499. Die durch die Verdauung verflüssigten Nahrungsmittelbilden eine Hauptquelle der Einsaugungserscheinungen. Die Saugaderndes Nahrungscanales nehmen häufig die in den Speisen enthaltenenFettkörper vorzugsweise auf. Da sich die Oeltropfen in der Lympheemulsionsartig vertheilen, da diese ein milchartiges Aussehen aus diesemGrunde gewinnt, so nennt man auch die zur Verdauungszeit veränderteLymphe den Milchsaft oder den Chylus, und die von dem Darmcanale,vorzüglich dem Dünndärme ausgehenden Saugadern die Milch-, dieMilchsaft- oder die Chylusgefäße. Diese aus älteren Zeiten stammendeUnterscheidung fußt jedoch auf bloßen äußeren Nebenverhältnissen. DieSaugadern der dünnen Gedärme erfreuen sich nur des Vorzuges, daßsie häufiger, als andere, Fette aufzunehmen Gelegenheit haben. IhrInhalt stimmt dagegen mit der übrigen Lymphe zur Fastenszeit überein.Können andere Lymphgefäße Fett einsangen, so führen sie ebenfallsMilchsaft. Man sieht dieses z. B. an den Lymphgefäßen der dicken Ge-därme, wenn eine fettreiche Fleischbrühe durch den After eingeführt worden.
h. 500. Da die Einsaugung auf den Porositätsverhältnissen derdas Blut und die Lymphe abschließenden Gefäßwandungen beruht, sowäre es möglich, daß nicht bloße chemische Lösungen, sondern auch dichteKörper von sehr geringem Umfange ein- oder austräten. Diese müßtennur kleiner, als die Spalträume jener Begrenzungswände ausfallen.Man hat zwar allerdings hin und wieder angenommen, daß Blutkör-perchen, Jndigotheilchen oder seiner Kohlenstaub ohne Weiteres durch-gehen. Genauere Beobachtungen streiten jedoch gegen diese Vorstellungs-weise. Man kann sich denken, daß sehr kleine, mit scharfen Ecken ver-sehene Kohlenstückchen unter dem Einflüsse der von dem Darm geliefertenDruckkräfte in Blutgefäße zufälliger Weise eingestoßen und von demkreisenden Blute fortgeschwemmt werden. Dieser Vorgang wird aberschon an und für sich zu den Seltenheiten gehören. Die regelrechte Ein-saugung wird auf ihm nicht fußen.
tz. 501. Wir werden in der Folge sehen, daß die Porosität derthierischen Häute unter den mannigfachen Nebenverhältnissen zu wechselnpflegt. Die Erschlaffung der Begrenzungswände führt wahrscheinlich zugrößeren Spalträumen. Diese können unter dem Einflüsse eines stär-keren Druckes erweitert werden. Man vermag sich daher zu denken,daß solche außerordentliche Nebenverhältnisse den Austritt von Blut-körperchen oder von anderen sehr kleinen Gebilden möglich machen.Diese ungewöhnlichen Bedingungen, dieser erste Schritt zur einfachenZerreißung gehört aber zu den seltenen Ausnahmen, die meist nur inKrankheitsfällen auftreten.