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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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170
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170 Einsaugung der Fette.

einschließen. Hat dagegen der Erwachsene beträchtliche Mengen von Fettzu sich genommen, so pflegen erst die Syugadern des Dünndarmes auf-fallende Quantitäten eines weißen Milchsaftes einzuschließen. Die Saug-adern des Magens dagegen enthalten größtenteils gelbliche Lymphe.Einzelne von ihnen stellen höchstens weißere Streifen dar.

tz. 514. Die Einsaugung der Fette (lock. II. k'. xxvii.) ist nochnicht genügend aufgeklärt worden. Da wässrige Lösungen die Darm-häute durchtränken, so kann man nach unseren gegenwärtigen Kenntnissennicht annehmen, daß die flüssigen Fette in das Blut oder die Lympheauf dem Wege der einfachsten Diffusion übergehen. Wäre dieses derFall, so ließe sich erwarten, daß sie schon im Magen eingesogen würden.Größere Mengen genossener Oele könnten dann auch kaum zum Afterunverändert hervortreten. So begründet übrigens diese Bedenken erschei-nen, so müssen wir doch bemerken, daß manche Drüsen flüssige Fetteabsondern, obgleich ihre Wände mit wässrigen Lösungen durchtränkt sind.

tz. 515. Gingen alle genossenen Fette in Fettsäuren und in dasim Wasser lösliche Glycerin über, so wäre der Hergang leichter zu er-klären. Wir haben schon in der Verdauungslehre gesehen, daß sichallerdings Fettsäuren mit den in den Nachbarflüssigkeiten vorhandenenAlkalien zu verseifen vermögen. Das alkalische Blut und die eben-falls alkalische Lymphe würden deshalb die Aufnahme begünstigen.Der vorzugsweise Uebergang der Fette in den Milchsaft und die späterzu betrachtenden mikroskopischen Bestandtheile des Letzteren scheinen ehergegen als für diese Auffassung zu sprechen.

tz. 516. Wir haben h. 460 gesehen, daß die genossenen Fettkörpermöglichst fein im Dünndärme vertheilt werden. Bringt man kleineLeltropfen in eine Eiweißlösung, so umgiebt sich jeder von ihnen miteiner Eiweißschicht, die man auch mit dem Namen der Haptogenmem-bran bezeichnet hat. Wenn die schleimigten oder eiweißhaltigen Massen,in denen die kleinsten Fetttröpfchen zuletzt zerstreut waren, eine ähnlicheWirkung ausübten, so hätten wir eine aus wässrigen Verbindungenbestehende Schutzhülle. Die sehr kleinen Fettmolecüle könnten um soeher auf dem Diffusionswege weiter dringen.

tz. 517. Die Einsaugung der Fette läßt sich übrigens unter demMikroskope in glücklichen Fällen unmittelbar verfolgen. Denken wir uns,Fig. 92 stelle die Hauptbestandtheile einer Darmzotte schematisch dar,

so haben wir in a das Cylinde'r-epithelium, dessen Pallisadenzellen ödas Ganze bekleiden, o ist einegleichartige Begrenzungshaut, aufdie das übrige Grundgewebe derZotte nachfolgt, ck bezeichnete dieBlutgefäße und e die in der Mitteaufsteigenden Saugadern.

Man findet häufig, daß eine

Fig. 92.