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Nebenkräfte der Lymphbewegung.
Lymphe im Augenblicke ihrer Erschlaffung angefüllt. Sie tragen aufdiese Weise zur regelrechten Fortbewegung der Lymphe mittelbar bei.
tz. 551. Dieser Mangel einer eigenen für die Saugadern alleinbestimmten Druckpumpe bedingt es, daß die Lymphe langsamer und-'-"»"rvmps,gleichsam unsicherer als das Blut fließt. Die Geschwindigkeit ihrerStröme wechselt auch wahrscheinlich in verhältnißmäßig beträchtlichemGrade in verschiedenen Augenblicken, weil eine Reihe von Nebenmitteln,die ihrer Bewegung zu Hilfe kommen, nur zu gewissen Zeiten thätigist und mit ungleichem Nachdrucke einwirkt.
tz. 552. Die oft wiederholte Klappenbildung gewahrt den Nutzen,daß jede kleinste Flüssigkeitssäule für den Fortschritt gewonnen ist, sowie sie nur die wiederum vollständig verschließbaren Ventile überschrittenhat. Die Rückenkraft, welche die anhaltende Einsaugung liefert, wirdhierdurch wesentlich unterstützt. Jeder andere Druck, den irgend einNebenumftand liefert, kann aus dem gleichen Grunde zweckmäßigerwirken.
§. 553. Man hat häufig vermuthet, daß die Wände der Saug- D--k.irjun,s.ädern ein selbstständiges Verkürzungsvermögen besitzen. Man ist aber In«'-"vorläufig nur im Stande, diese Verhältnisse mit der Lymphbewegungauf hypothetischem Wege in Beziehung zu bringen. Die Erfahrungselbst hat noch keinen sicheren Fingerzeig in dieser Rücksicht an dieHand gegeben.
tz. 554. Eine wurmförmige Bewegung kommt in den Saugadernnie vor. Legt man z. B. ein größeres gefülltes Lymphgefäß an demHalse des Pferdes bloß, so ändert es sich meist in der ersten Zeit nicht.
Es verengert sich höchstens unter dem Einflüsse der Luft so langsam,daß das freie Auge den allmähligen Durchmesserwechsel nicht bemerkenkann. Man findet dagegen, daß sich die Saugadern frisch getödteter Thiereallmählig entleeren und nach und nach verkleinern können. Sollte daherder Rauminhalt der Lymphgefäße in gewissen Fallen selbstständig wechseln,so würde dieses nur ein durch die Klappeneinrichtung begünstigtes Un-terstützungsmittel, nicht aber die ursprüngliche Anregung, von der dieLymphströmung herrührt, bilden können.
tz. 555. Die Zusammenzichung der Muskeln kann eine Druckkraft,der die nachgiebigen Saugaderwande leicht gehorchen, darbieten. Dadie in kurzen Zwischenräumen folgenden Klappen den Rückgang abschnei-den, so wird diese Nebenbedingung den flüssigen Inhalt nur in centri-petaler Richtung weiter fördern.
tz. 556. Lieberkühn und Poiseuille haben in jungen Säuge-thieren bemerkt, daß der in den Saugadern des Gekröses / (und neben /e),
Fig. 97 (s. f. S.), eingeschlossene Milchsaft von der Wurmbewegung desentsprechenden Darmstückes arl fortgestoßen wurde, nach dem Aufhörenderselben aber zur Ruhe zurückzukehren schien. Die freien Körpermus-keln, die an Saugaderstämme unmittelbar grenzen, werden denselbenEinfluß ausüben können. Ein äußerer Druck, ja die bloße Biegung ein-
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