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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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Welle» der Schlagadern.

größer ausfallt. Diese fortwährende Unruhe des Schlagaderblutes lieferteinen unausgesetzten Blutstrom, der eine absolut geringere Druckkraftin Anspruch nimmt.

tz. 616. Die vorzüglich von Frey^) genauer untersuchten Wellen-Verhältnisse des Schlagaderkreislaufes gestalten sich verwickelter, als wirbis jetzt angenommen haben. Es würde zu weit führen, selbst nur die »n-n^ndü"wichtigeren Einzelnheiten genauer zu verfolgen. Wir wollen uns daher""'"auf einige der bis jetzt bekannteren Hauptpunkte zu beschränken suchen.

tz. 617. Die elastischen Gewebe der Schlagadern gehen in schiefenBahnen und zwar theils mehr der Länge, theils mehr der Quere nachdahin. Die eingepreßte Flüssigkeit wird daher die Röhren in beiderleiRichtungen auszudehnen suchen. Da der Bau, die Faserverflechtung unddie Elasticitatscocssicienten mit der Verschiedenheit der Gefäße wechseln, somüssen auch die Größe und die Art dieser Veränderung in den einzelnenPulsadern abweichen. Dazu kommt noch, daß die Widerstände, welchedem Fortrücken der Blutsäule entgegenstehen, mit den Theilungen, denBiegungen, der Menge und der Gestalt der Haargefäße wechseln können.

ß. 618. Während die Kammcrzusammenziehung ihr Blut in denAnfang des Schlagadersystems n, Fig. 120, eintreibt, fließt eine gewisseMenge desselben aus den unteren Enden ck, e,A,/r, r in die Haargefäßeein. Jene Erscheinung führt zu Erweiterungs- oder Spannungswel-len L / m und die peripherisch, diese dagegen zu Verengerungs-

odör Abspannungswellen n o/,, die central dahin laufen. Beiderlei Wellenwerden sich zu bekämpfen suchen. Da aber wahrend der Dauer derSystole mehr Blut eingetrieben wird, als aus dem Ende des Arterien-systems davon geht, so können die Spannungswellen als Sieger, wennauch in etwas verminderter Größe peripherisch dahin eilen.

ß. 619. Hört der Herzdruck mit dem Ende der Kammersystole auf,so strebt die elastisch verlängerte und verbreiterte Schlagader zu ihremfrüheren Umfange zurückzukehren. Der fortdauernde Ausfluß in die Haar-gefäße liefert Abspannungswellen, die central, die Füllung der halbmond-förmigen Taschen dagegen eine, wenn auch sehr geringe Abspannungs-welle, die peripherisch verläuft. Da aber der Rückweg in das Herzbinnen Kurzem geschlossen ist, so müssen dann die auf ihren früheren Zu-stand zurückkommenden Schlagaderhäute nur wellenartig fortgehende Trieb-kräfte für den peripherischen Blutlaus liefern. Die völlige Rückkehr zudem früheren Zustande kann erst dann zu Stande kommen, wenn derUeberschuß, den die Systole erzeugt hat, im Laufe der Diastole in dieHaargefäße entleert worden.

tz. 620. Die Länge der elastischen Röhren, die Reibungs- und Ad-hasivnswiderstände des Blutes (§. 105.), der Wellcnreflex und die an-deren Hindernisse, die an den Theilungen, den Krümmungen und denin ihrer Gesammtmasse das Flußbett vergrößernden Verzweigungen auf-treten, werden die Höhen der fortschreitenden Spannungswellen, wie eszwischen k und n, Fig. 120, S. 200, schematisch angedeutet worden,