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Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Pulses.
nungen zur genügenden Erklärung aller Pulsarten keineswegs hinrei-chen. Die Größe des Druckes, den die Kammerzusammenziehung lie-fert, die Mengen von Flüssigkeit, die einerseits eingetrieben werden undanderseits in die Haargefäße ausströmen, die Beschaffenheit der auf demZwischenwege liegenden Gefäßröhren, der unterstützende oder beengendeEinfluß der Athembewegungen und die Zeiten, die für die einzelnenWechselerscheinungen in Anspruch genommen werden, führen zusammen-genommen zu dem Hauptergebnisse, das wir als Puls bezeichnen.
h. 645. Hätten die Schlagadern vollkommen starre Röhren gebil- s-m-i,-.».det, so würde sich der Herzstoß in äußerst kurzer Zeit bis zu den ent-suüv^Ä'l---ferntesten Arterien fortgepflanzt haben. Die aus der Elasticität der"
Wände hervorgehenden Wellen nehmen einen verhältnißmäßig größerenZeitraum für ihre Verbreitung in Anspruch. Da die zwischen je zweiHerzstößen.liegende Zeit weniger als eine Secunde in dem erwachsenenMenschen zu betragen pflegt, so wird jener Unterschied nur ein Zeit-minimum ausmachen. Läßt sich auch von theoretischer Seite mit Rechterwarten, daß die von dem Herzen entfernteren Schlagadern etwas spä-ter, als die Anfangsröhren des Arteriensystems klopfbar werden, so kannes doch nicht befremden, wenn jener kleiner Zeitunterschied in den meistengewöhnlichen Beobachtungen nicht auffällt. Vergleicht man die Halsschlag-ader mit der in der Gegend des äußeren Knöchels verlaufenden Puls-ader des Wadenbeines, so bemerkt man in einzelnen glücklichen Fälleneine geringe Zeitdifferenz, die ungefähr ^ bis Vir Secunde betragenmag. Es ergiebt sich übrigens von selbst, daß die Größe dieses Wer-thes mit dem Zustande der Schlagaderhäute und den übrigen Neben-vcrhältnissen wechseln wird.
ß. 646. Die stoßweiße Blutbewegung nimmt unter regelrechten «„schwer,»Verhältnissen um so mehr ab, je weiter wir nach den feineren Schlag-aderzweigen fortschreiten, je mehr wir uns den Haargefäßen annähern.
Wir werden später sehen, daß ein pulsatorischer Blutlaus nur unter ge-wissen Ausnahmsverhältnissen in den Capillaren auftritt.
tz. 647. Die größeren Arterienstämme verbinden sich bisweilendurch Zwischenzweige oder Anastomosen. Es kommt hin und wieder vor,daß sie ein dicht gedrängtes Netzwerk, ein sogenanntes arterielles Wun-dernetz darstellen. Läßt man aber diese selteneren Abweichungen unbe-rührt, so beruht der Charakter der arteriellen Gefäßverbreitung aus derfortwährenden Wiederholung von Gabeltheilungen. Die untergeordnetenZweige verschmälern sich dabei immer mehr, bis sie endlich zuletzt indie nur unter schwachen Vergrößerungen kenntlichen Haargefäße allmäh-lig übergehen.
tz. 648. Theilt sich ein Schlagaderstamm a, Fig. 126 (s. folg.
Seite), in zwei untergeordnete Zweige ö und o, so gilt es als Re-gel, daß die Summe der beiden Querschnitte cke und /g- der neuenVerzweigungen ü und o größer als der Querschnitt ür des Haupt-stammes a ausfällt. Es wird daher das Flußbett allmählig vergrö-
Valentin's Grundriß d. Physiologie, l!. Aufl. 14