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Glarnerland und Walensee / von Ernst Buss
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zeugen, erfreuen sich auf den europä-ischen und überseeischen Märkten einesanerkanntenRufes. Infolge dieser emsigenArbeit hat sich denn auch der Volks-wohlstand in den letzten Jahrzehntenungemein gehoben, das Steuerkapital in100 Jahren sich verzehnfacht. Es gibtDorfgemeinden, deren 2 3000 Einwohnerein Privatvermögen von 7, 8, ja bis 19Millionen versteuern, und Glarus undEnnenda zählen zu den reichsten Ge-meinwesen der Schweiz .

Wo die Industrie herrscht, gedeihtimmer zugleich das Handwerk, undso findet dasselbe denn auch in allseinen Zweigen vorzügliche Vertreter,deren ebenso geschmackvolle als solideund praktische Arbeit auch ausserhalbdes Kantons sich der verdienten Aner-kennung erfreut.

Neben der industriellen und gewerb-lichen Thätigkeit tritt der Ackerbau um-somehr zurück, von je geringerer Aus-dehnung die nutzbaren Wirthschafts-gründe sind, und nur einzelne wenigeGemeinden, wie Bilten und Oberurnen ,geben sich vorzugsweise agrikoler Be-schäftigung hin. Da der Boden ammeisten den Wiesenbau begünstigt, sofinden wir auch nur diesen in hervor-ragender Weise entwickelt, zumal ermit der Alpwirthschaft Hand in Handgeht. Gemüsebau und Obstbaumzucht,obwohl allgemein verbreitet, haben mitmanchen Schwierigkeiten des Klimas zukämpfen und scheinen noch in mehrfacherRichtung der Vervollkommnung .fähig zusein. Der Weinbau kann sich beimMangel an südlichen Lagen kaum jemalsin lohnenderWeise entfalten; doch findensich Weinberge in Niederurnen, Mollis ,Mühlehorn, Ennenda und Schwanden.Eines blühenden Standes dagegen erfreutsich die Alpwirthschaft. Wie die Pro-dukte der glarnerischen Industrien undKleingewerbe an der schweizerischenLandesausstellung von 1883 einen ehren-vollen Platz einnahmen, so pflegen auchdie glarnerischen Alpen bei den eidge-

nössischen Prämirungen in den vorder-sten Reihen zu stehen. Weiden, Düngungund Atzung, Wege und Wasser, dieSennhütten und deren Einrichtung zeugenvon rationeller Bewirthschaftung. Wirdauch der Naturschwärmer, der auf denBergen ein urgemüthliches, idyllischesHirtenleben sucht, sich hier enttäuschtsehen, indem er statt der Sennerinnenmit Schalmei und Alpenrosenkranz nurprosaische Männer in unsauberer Ge-wandung an harter Arbeit findet, dieweder das Alphorn blasen noch denAlpsegen singen, so bietet das Aelpler-leben doch auch auf den Höhen desGlarnerlandes stetsfort den einzigartigen,unwiderstehlichen Reiz eines freien, ur-wüchsigen Daseins in herrlicher Naturund erquickender Bergluft, bei der ein-fachen Kost von Milch, Butter und Fenz,einem aus Mehl, Rahm und geronnenerMilch bereiteten spezifisch glarnerischenSennengericht, wie unter dem friedlichenGeläute der grasenden Rinderherden.Der Empfindung dieses Reizes macht derAelpler in kräftigen Jauchzern Luft, undhält ein Wanderer oder der arme Ziegen-hirte, dem die Thiere sich verlaufen, beiihm Einkehr, so findet er freundlicheAuskunft und gastliche Bewirthung. (S.Illustration S. 8.)

Die Alpen sind theils Korporations-,theils Privatbesitz und zerfallen meist indrei übereinander liegendeStafel(Höhenstufen). Zu einem Sennthum ge-hören in der Regel 3540 Kühe und jeeine Sennhütte zu jedem Stafel. DieKrauchthalalp z. B. zählt bei 3 Stäfeln7Senten, 21 Hütten und ca. 270 StückVieh. Die Sennhütte zeigt 8 Räuihe:das Mulcbendach, unter welchem beischlechter Witterung gemolken wird, denWeller, welcher, mit Feuerherd, Well-kessel, Butterfass, Tansen, Gebsen etc.ausgestattet, gleichzeitig als Küche undals Wohnraum dient, und die von einemBächlein durchflossene Milchkammer, inwelcher die Milch aufbewahrt wird.Das Melken, Käse-, Butter- und Zieger-