Bächen und Runsen ab, wo nicht selten unter höchst eigentümlichen,gelegentlich auch ergötzlichen Umständen plädirt, geurteilt und ver-schrieben wird. Alle Beamteten in Staat und Gemeinde, ebenso die Geist-lichen und Lehrer werden auf dreijährige Amtsdauer gewählt. Die Auto-nomie der Gemeinden und Korporationen ist in weitgehendster Weise ent-wickelt wie ausserdem nur etwa im Appenzellerland und in Graubünden ,so dass jede derselben abermals ein selbständiges, kleines Gemeinwesenbildet, und in der Gemeinde stehen hinwiederum dem einzelnen Bürgeralle nur wünschbaren Rechte offen. So tritt uns in diesem Kanton einStaatsorganismus entgegen, der einerseits das Bild fester, wohl geregelterOrdnung und klaren, natürlichen Zusammenhanges aller Organe und Funk-tionen darbietet, in welchem aber auf der andern Seite zugleich der Ge-danke der Freiheit des Einzelnen, der Gemeinde und des Volkes vonunten bis oben im vollsten Umfange thatsächliche Wahrheit geworden ist,auf einzelnen Gebieten so weit, dass z. B. nicht nur die Advokatur, son-dern auch die ärztliche Praxis vollständig freigegeben sind.
Ebenso frei sind die kirchlichen Verhältnisse geregelt. 4 /s der Be-völkerung sind reformirt (27,097), Vs römisch-katholisch (7065). Ganzkatholische Gemeinden sind einzig Näfels und Oberurnen , paritätischeGlarus , Linthal und Netstall. Die Katholiken gehören zum Bisthum Chur,die Reformirten dagegen bilden eine vollständig unabhängige Kirche miteigener Synode auf der Basis der weitesten Autonomie der Kirchgemeinden.Genau genommen ist jede Gemeinde eine Kirche für sich, bestreitet selbstalle ihre Kultusbedürfnisse, wählt Pfarrer und Vorsteher, dekretirt Steuernund entscheidet selbständig über Liturgie, Katechismus, Gesangbuch u. s. w.Zwischen den Konfessionen herrscht das schönste Verhältniss des Friedensund der Duldsamkeit. — Das Schulwesen erfreut sich einer den Verhält-nissen angemessenen Blüthe. Auf sieben Jahre Alltagsschule mit wenigenFerien folgen zwei Jahre Repetirschule oder die Sekundarschule (Real-schule, ’Progymnasium). Anstalten der letztem Stufe bestehen im Kantonacht, dagegen fehlt das höhere Gymnasium. Die jungen Leute, die sichwissenschaftlichen oder technischen Berufsarten widmen, besuchen dienahen Gymnasien von Zürich , Winterthur , Frauenfeld etc. — Die Pflegeder Wissenschaften und Künste tritt bei der vorwiegend industriellenund merkantilen Bevölkerung nicht in den Vordergrund, findet jedoch ihreStätte sowohl in den Kreisen der Fachgenossen als in kantonalen Gesell-schaften und Vereinen, Kunstverein, historische Gesellschaft, Pastoral-verein, Lehrerverein, medizinische Gesellschaft, technischer Verein,, Alpen-klub, Gesellschaft für Naturwissenschaft, botanischer Klub, Offiziersvereinu. s. f., die zum Theil eine recht rege und forderliche, des Kantons durch-aus würdige Thätigkeit entwickeln. An einzelnen hervorragenden Vertreternder Wissenschaft hat es im Uebrigen nie gefehlt.
Die im Glarnerland gesprochene Mundart ist eine besondere Formdes allemannischen Dialektes, wird wie in den meisten Alpenthälern etwassingend gesprochen und bietet dem Sprachforscher um vieler alterthüm-licher Formen und Konstruktionen willen Anlass zu höchst interessantenBeobachtungen. Uebrigens weist jede einzelne Gegend noch eine MengeBesonderheiten in Aussprache und Wortschatz auf, so dass man den Kiein-thaler, den Grossthaler, den Molliser und Kerenzer deutlich von einander
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