53
+
A
stration S. 51). Hier fehlt völlig das Zarte, Duftige, Liebliche.Alles ist kahl und wild und rauh; aber es imponirt gewaltigdurch die ungeheure Wucht der Massen, durch die grossartigeGliederung und Schichtung derselben und durch die scharfen,kühnen Konturen. Versetzt man sich auf die Höhe des Gipfels— es ist der mittlere Glärnisch , auch Vrenelis Gärtli oderGärtlistock genannt (2907 m ) — welche schrecklichen Ab-gründe ölfnen sich da! Wie haben da die Riesen ein artigesSpiel getrieben, die Felsen zerrissen, zersägt, aufeinander-gethürmt und wieder durcheinander geworfen! Eine Wahlstattungeheurer Schöpfungsschlachten. Wir kehren ihr den Rückenund sehen uns nach der entgegengesetzten Seite, dem Eingangin’s Kleinthal, um. Wieder ein ganz anderes Bild: ein tiefeingeschnittenes, schluchtartiges, eintöniges Thal mit gleich-förmig abfallenden, reizlosen Wänden, ohne Thalsohle, ohneeinen Felsvorsprung, ein Tobel, ein Dörfchen, ein Haus, dasAbwechslung brächte, das Bild tödtlicher Monotonie. Und doch,treten wir näher, so wird Alles lebendig. Links am Abhangverspricht ein Weinberg, der höchst gelegene und zugleichälteste des Kantons, seine Herbstfreuden; „in der Herren“schnurren die geschäftigen Räder belebter Fabriken, und jeweiter wir Vordringen, desto munterer schäumt der jugend-frische Sernf und hüpft wie ein Knabe lustig von Stein zuStein. Grüne Wiesen, von Ziegenherden belebt, Gruppen ma-lerischer Nussbäume, Buchen- und Tannenwälder in anmuthigerMischung, kleine Wasserfalle, vereinzelte Häuser und Scheunen,heruntergestürzte Felsblöcke, prächtige Rückblicke in’s Thalund auf’s Gebirge, Alles das wechselt in immer neuen Bildernund lohnt jeden Schritt der Wanderung.
In der Herren führt eine südwärts einbiegende Schlucht in’s Niedern-thal, das schon von Glarus und Mitlödi aus seines in zahlreichen Fällenherunterstürzenden milchweissen Baches wegen die Blicke auf sich zieht.Auch hier geht es wieder von Ueberraschung zu Ueberraschung. Indem reichen Amphitheater, das sich hinter der Schlucht aufthut, fesselndas Auge besonders der „Stäuber“, der sehenswerthe mehrfache Wasser-fall des Niedernbaches, und links die imposante Schwirrenwand mit denhohen Wasserfällen des Mettmenbaches. Auch an der Schwirrenwandbefindet sich an überhängender Stelle ein kühner Adlerhorst, der, so
' J