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Die Insel Java.
die Neiieh Dukiim find, nebst einigen Priestern, zur Beschneidung,oder hernach zur Verpflegung der Kinder da. In einem nahen Ge-mache sind eine große Menge Priester und Santrih (Theologen)versammelt, welche mit lauter Stimme, von einer sanften, melancho-lischen Musik begleitet, Sprüche aus dem Koran singen. Die Kin-der werden vorher auf Tragstühlen (Djompana), welche mitGoldpapier, Blumen und Bändern verziert sind, in den Hauptstraßender Negorei, von einer Ehrenwache und Musik begleitet, herumge-tragen. An mehren Stellen spielen die Rongin (Tanzmägdchen),überall herrscht Freude und Lustbarkeit, und auch das Pulver wirdnicht gespart, mit kleinen Kanonen und Gewehren gefeuert, und Ra-keten werden abgebrannt.
Zum Abendessen beim Oberhaupt werden gewöhnlich alle in derNähe wohnenden Europäer eingeladen, und aus's Beste bewirthet.Es herrscht dabei eine solche Eleganz, und man wird so sorgfältigbedient, daß die höchsten Standespersoncn, beiderlei Geschlechts, mitVergnüge» dabei erscheinen. Es ist gewiß keine leichte Aufgabe, einGastmal zu Jedermanns Zufriedenheit anzuordnen, denn bei den Eu-ropäern in Indien hat die Gastronomie einen sehr hohen Grad vonAusbildung erreicht.
Außer der Bsschncidung giebt es noch ander« religiöse Jugend-feste, z. B. das Gossok Gigit (Reinigung der Zähne) und Gos-svk Kuping (Reinigung der Ohren).
Außer der Vielweiberei hat der Ehestand auf Java mit demder Türken wenig Uebereinstimmendes. Bei diesen ist die Frau nurfür die Sinnlichkeit geschaffene Sklavinn, auf Java hingegen habe»die Frauen so viel« Freiheiten, als Sittsamkeit und Stand erlauben,und thätigen Antheil an der Einrichtung und Leitung der häuslichenAngelegenheiten.
Wenn gleich der Bräutigam in einigen Gegenden den Aeltecneine Art von Entschädigung an Geld für ihr« Tochter giebt, hat dießdoch nicht den mindesten Einfluß auf die wechselseitige» Verhältnisseder Eheleut«, denn das Geld benutzen die Aeltern gewöhnlich dazu,ihrer Tochter Hausgeräthe und Kleidungsstück« dafür zu kaufen, oderunter Verwandten und Nachbarn das fröhliche Ereigniß zu feiern.