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Jahrbuch der Reisen und neuesten Statistik / in Verbindung mit einigen Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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108
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108 Die Insel Java.

ganze Brust bedeckte. Auch er war unbeweglich, und von altenFrauen bedient.

Braut und Bräutigam bleiben auf diese Weise einige Tage ab-gesondert, und werden einzeln durch Gebete und Reinigen auf ihrenkünftigen Stand vorbereitet.

Die Ehen sind auf Java im Allgemeinen glücklich, und in weni-gen Ländern wird man mehr häuslichen Frieden und Eintracht fin-den. So wenig sich die Ehelcute in Gegenwart Anderer Zutrau-lichkeiten irgend einer Art erlauben, eben so wenig schimpfen sie ein-ander, oder mißhandeln sich thätlich.

Ein Europäer muß sich wohl in Acht nehmen, eine javascheFrau, wenn er sie auch noch so gut kennt, in Gegenwart ihres Man-nes oder ihrer nahen Verwandten, selbst auf die unschuldigste Artzu berühren. Eine Hand auf ihren Kop.f zu legen, wäre z. B.eine große Beleidigung, die leicht mit dem Dolche gerächt wer-den könnte.

Mann und Frau gehen nie neben einander; die Frau hat im-mer den Vorrang, und der Mann geht einige Schritte hinter ihr,wahrscheinlich um sie desto besser beobachten, und vor Beleidigungenschüfen zu können.

Bei freundschaftlichen Zusammenkünften mit Europäern weichendie javaschen Oberhäupter, aus Höflichkeit, von ihren eigenthümlichenSitten und Gebräuchen ab. Sie bringen alsdann gewöhnlich ihreFrauen mit, welche, nach europäischer Sitte, durch die Herren derGesellschaft am Arms zu Tisch begleitet, und an demselben von ih-nen bedient werden.

Ehescheidungen sind durch Mahomeds Gesch« sehr erleichtert.Ohne im mindesten mit einander zu hadern, begeben sich Mann undFrau zum Priester, der in ihrer Gegenwart, als Sinnbild der Auf-lösung gegenseitiger Verhältnisse, ein Stäbchen bricht, oder eine dünneSchnur zerreißt. Nach dieser einfachen Zeremonie trennen sie sich,ohne das mindeste Geräusch. Indeß geschieht es doch oft, daß sichEheleute zum zweiten und dritten Male vereinigen und trennen las-sen. Die Frau muß eine bestimmte Zeit mit einem Andern gelebthaben, um sich mit ihrem ersten Manne wieder vereinigen zu können.