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Jahrbuch der Reisen und neuesten Statistik / in Verbindung mit einigen Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Die Insel Neu-Seeland.

Strande. Shunghie, nicht allein wegen seines hohen Ranges, son-nen, weil er in Folge seiner Wunde tabuirt war, saß abgeson-dert von den Andern; nur sein Weih und seine Tochter hatten Er-laubniß, sich ihm dicht zur Seite zu seyen, um seine Bedürfnisse zu be-sorge». Die reich verzierten Kanoes waren auf den Strand gezo-gen; von den Sklaven luden einige die Verrathe aus, andere schür-te» das Feuer. Man wurde unwillkührlich an Stellen des Homerserinnert, worin der Dichter den irrenden Odvsseus schildert und seinetapfere Kriegerschaar. Shunghie empfing die Fremden mit einerfreundlichen Wurde, wie sie die Gewohnheit, Huldigungen anzuneh-men, giebt. Sein Aussehen war abgemagert; in seinen Zügen lagein so freundlicher Ausdruck, daß Niemand in ihm den Muth blu-tiger Thaten vermuthet hatte; allein bei lebhafter Unterhaltung sprüh-ten seine Augen Feuer und verriethen, daß nur seine Leidenschaftengereizt werden durften, um ihn von einer ganz andern Seite erschei-nen z lassen. Der Held hatte einen llmwurf von frischer Leinwandan, welcher seine Gestalt vollkommen verhüllte, und bloß das starktättowirte Gesicht und den mit einer Fülle von schwarzem, krausemHaar bedeckten, und mit Albatroßfedern geschmückten Kopf frei ließ.Er war ein in jeder Hinsicht sehr schönes Sujet für den Pinsel, undder Maler entwarf m-t seiner Erlaubniß zuerst von ihm ein Skizze,t'ud dann eine zweite, welche die ganze Gruppe in sich begriff. Wäh-tend des Sißens richtete er mancherlei Fragen an den Künstler, un-ter andern, wie es ihm hier zu Lande gefalle, und als dieser ihmMit Bewunderung von Neu-Seeland sprach, schien er darübersehr erfreut. Die Bemerkungen, welche er in diese Unterhaltungeinmischte, zeugten von vielem Sinn und Verstand. Der Maler hatteeine Flasche Wein mitgebracht, und Shunghie's Weib schenkte diesemdaraus einige Glaser voll ein; dieser Trunk wirkte nun belebend undbeseelend auf ihn, und verschaffte jenem und seinem Freunde wahr-scheinlich die Einladung zu einer Spazierfahrt in einem vonShunghie's Kanoes; für diesen wurde ein Ruhebett hineingelegt,tu» sich darauf zu lehnen, und seine Tochter, ein hübsches Magdchcnvon etwa fünfzehn Jahren, ergriff das Ruder, das sie mit größterGewandtheit handhabte. Der Maler nahm sich die Freiheit, ihr einDracelet zu überreichen; als Shunghie sah, daß er in der Launei" schenken sei, wies er auf seinen Bart und bat um ein Rasier-