Vorwort.
(In unserem guten deutschen Vaterlande besteht die Sitte,die großen Männer meist erst nach ihrem Tode recht zu ehren.Dann werden ihnen die Steine, die man ihnen im Leben alsBrod gegeben, auf das Grab gelegt, und weil sie nach ihremTode keine Neider mehr oder diese von ihnen nichts mehr zufürchten haben, so läßt man ihnen, sobald sie im Reiche derSchatten wandeln, Gerechtigkeit widerfahren.
Ein solcher deutscher Mann, voll des Verdienstes und derEhre, war der große Astronom von Weil, Johannes Keß-ler , dessen Leben, Wirken und Leiden ich in den nachstehendenallgemeinen Umrissen geschildert habe. Zwar ist das strahlendeLebensbild dieses großen Gelehrten, welcher nach seinem erfolg-reichen Wirken nicht mehr der Geschichte Deutschlands allein,sondern der großen Geschichte der Menschheit überhaupt ange-bört, hier nur mit einigen kräftigen Zügen wiedergegeben;aber was er der Menschheit war und was er in seinem ver-hältnißmäßig kurzen Leben Großes leistete, magst du, lieberLeser, aus dieser gedrängten Darstellung entnehmen; dumagst daraus ersehen, wie der große Schüler Urania's gelebt,gewirkt und gelitten hat, und wenn es hie und da zur rechtenBeleuchtung seines strahlenden Lebensbildes nothwendig wurde.