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Mineralogie, Geologie und Palaeontologie.
Einwirkung der fortgeschobenen Gerolle sich mit der in der Geschwindigkeit desAnsturzes bedingten Kraft vereinigen.
Die erodirende Wirkung der Meereswellen äussert sich deshalb auch in derBildung von Uferterrassen, deren Oberfläche in der Zone dieser stärksten Wirk mggelegen ist.
Wäre diese immer dieselbe, d. h. würden also die Meereswellen immer genauin derselben Niveaulinie verlaufen, so würde dann natürlich auch nur eine einhgeUferterrasse entstehen können.
Die Oscillationen aber, denen die Oberfläche der Meere unter den wechseln-den Anziehungen von Sonne und Mond unterworfen ist, die wir im Allgemeinenals die Gezeiten zu bezeichnen pflegen, ändern diese Verhältnisse um und ge-stalten sie weniger einfach. Nicht nur die gewöhnlichen Differenzen in der Fkth-höhe, wie sie durch tägliche Ebbe und Fluth bedingt werden, kommen hierbeiin Betracht, sondern auch die durch die besonderen Stellungen der wirksamenGestirne hervorgerufenen sog. Spring- und Nippfluthen.
Die Höhe der Gezeiten, hierunter die Differenz der täglichen Ebbe- rndFluthhöhe verstanden, ist bekanntlich eine sehr verschiedene an den verschiede-nen Küsten. Nur in den grossen Meeresbecken kommt die Erscheinung derGezeiten überhaupt in voller Wirkung zu Stande und hier beträgt ihre Höhe biszu 50—60 Fuss. In isolirten Meeresbecken, besonders solchen, die nicht einmaldirekt mit einem grossen Ocean in Verbindung stehen, zeigen sich die Gezenennur in viel geringerem Maasse oder gar nicht; so beträgt ihre Höhe in der Ost-see nur wenige Zoll, in der Nordsee bei Helgoland 6 Fuss, im mittelländischenMeer bei Toulon und Neapel nur etwa 1 Fuss.
Hiernach gestaltet sich also auch die Bildung der Uferterrassen durch dieMeereserosion sehr verschieden. Wo keine Ebbe und Fluth, oder nur eine solchevon sehr geringer Amplitude eintritt, da bleibt es bei der Bildung einer einzigenUferterrasse. Wo aber die Gezeiten sehr grosse Differenzen aufweisen, da ent-stehen auch mehrere Uferterrassen, nicht nur entsprechend dem gewöhnlichenhohen und tiefen Standpunkte des Meeres, sondern auch solche, welche den ge-nannten aussergewöhnlich hohen Fluthen und tiefen Ebben angehören. So könnenz. B. vier Uferterrassen über einander entstehen, die unterste entspricht cerStellung der Fluth zur Zeit der tiefsten Aequinoctial-Ebben, darüber folgt dieder gewöhnlichen Ebben, dann die der gewöhnlichen Fluth und endlich zu oberstdie der hohen Aequinoctial-Fluth. Ueber diesen endlich vermag sich noch cerdurch ganz aussergewöhnlich hohe Sturmfluthen aufgeschüttete Detritus abru-lagern, so dass hiernach fünf verschiedene Fluthmarken in den Zerstörungen cerMeereswellen längs der Küste sichtbar bleiben.
Dass unter der Einwirkung der durch die Gezeiten in verschiedene Höhen ge-legten Brandung der Meereswellen vor Allem Steilküsten zerstört und sehr vielwirksamer zerstört werden, als flache Küsten, das zeigt allenthalben die Erfahrungund scheint auch leicht einzusehen. Da werden dann die vielgestaltigen Formender Zerstörung an den Küsten herausgelöst, wie ringsum an den norwegischenund den westlichen Küsten von Irland , jene Felsenthore, Riesenpfeiler, Säulen,Kamine u. dergl., die mit ihren phantastischen Gestalten den malerischen Zauberjener Küsten bedingen. Wie schnell die Zerstörung felsiger Steil-Küsten vorzu-schreiten vermag, das zeigt das Beispiel der Insel Helgoland . Der heutige Felsen,nur 600 Meter breit und 2000 Meter lang, ist nur noch ungefähr der 4. Theilder Grösse, welche die Insel vor dem 14. Jahrhundert hatte. Von 1793 bis 1828