Buch 
10 (1837) Strategische Beleuchtung mehrerer Feldzüge von Sobiesky, Münich, Friedrich dem Grossen und dem Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und andere historische Materialien zur Strategie : hinterlassene Werke / des Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
111
JPEG-Download
 

111

§. 45.

Unternehmungen Friedrich des Großen auf feindliche' Magazine.

Die Zerstörung der feindlichen Vorräthe in Polenund Mähren mißglückte, die in Böhmen gelang über dieErwartung. Eine Armee von 60,000 Mann hätte fünfMonate, und 25,000 Pferde hätten einen Monat davonerhalten werden können. Ob dieser Gegenstand einen gro-ßen Einfluß auf die Begebenheiten des Feldzugs gehabthat ist dennoch die Frage. Feldmarschall Daun ging EndeJuni nach der Lausitz und hat dort mit circa 70- bis80,000 Mann mehrere Monate gestanden. So gut wieer bei Marklifla und feine vorgeschobenen Corps bis Ro-thenburg an der Neiße verpflegen konnte, eben so gut hätteer es bei Dresden gekonnt, wenn es seine Absicht gewesenwäre, sich dahin zu wenden. Daß er erst so spät nach derLausitz aufbrach, lag offenbar in der Absicht, die Ankunftder Russen zu erwarten, und nicht in zerstörten Verpfle-gungseinrichtungen. Die Reichsarmee kam aus Frankenund bedurfte also jener Vorräthe auch nicht nothwendig.

Man muß also diese Unternehmungen gegen die feind-lichen Magazine als kleine Offensiven mit geringen Objek-ten betrachten, welche der allgemeinen Vertheidigung vor-hergingen. Der Feind büßte vielleicht eine halbe MillionThaler und einige tausend Mann ein, und die eigenenTruppen übten sich in kleinen erfolgreichen Gefechten. DieOffensivkraft, womit Friedrich der Große im Jahre 1758,noch einen, auf die Einnahme von Ollmütz gerichteten Aus-fall that, ist also nun auf viel kleinere Unternehmungenzusammengeschrumpft.

Vielleicht hat Friedrich der Große einen zu großen