9
6. Modifikationen in der Wirklichkeit.
So findet in dem abstrakten Gebiet des bloßen Be-griffs der überlegende Verstand nirgends Ruhe, bis er andem Äußersten angelangt ist, weil er es mit einem Äu-ßersten zu thun hat, mit einem Constikt von Kräften diesich selbst überlasten find, und die keinen andern Gesetzenfolgen als ihren innern; wollten wir also aus dem bloßenBegriffe des Krieges einen absoluten Punkt für das Zielwelches wir aussetzen, und für die Mittel welche wir an-wenden sollen, ableiten: so würden wir bei den beständi-gen Wechselwirkungen zu Extremen gerathen, die nichtsals ein Spiel der Vorstellungen wären, hervorgebrachtdurch einen kaum sichtbaren Faden logischer Spitzfindigkeit.Wenn man, fest an das Absolute haltend, alle Schwierig-keiten mit einem Federstrich umgehen, und mit logischerStrenge darin beharren wollte: daß man sich jederzeit aufdas Äußerste gefaßt machen, und jedesmal die äußersteAnstrengung daran setzen müsse, so würde ein solcher Fe-derstrich ein bloßes Büchergesetz sein, und keins für diewirkliche Welt.
Gesetzt auch jenes Äußerste der Anstrengungen wäreein Absolutes, was leicht gefunden werden könnte, so mußman doch gestehen, daß der menschliche Geist »sich dieserlogischen Träumerei schwerlich unterordnen würde. Eswürde in manchen Fallen ein unnützer Kraftaufwand ent-stehen, welcher in andern Grundsätzen der Regierungs-kunst ein Gegengewicht finden müßte; eine Anstrengungdes Willens würde erfordert werden, die mit dem vorge-setzten Zweck nicht im Gleichgewicht stände, und also nichtins Leben gerufen werden könnte, denn der menschlicheWille erhält seine Stärke nie durch logische Spitzfindig-keiten.