Band 
Erster Theil.
Seite
77
JPEG-Download
 

77

immer wieder auseinander fallen, das vermag nur dieGeisteskraft zu bewirken, die wir Phantasie nen-nen. Wenn ein genialer Dichter oder Maler sich verletztfühlt, daß wir seiner Göttin eine solche Wirksamkeit zu-muthen, wenn er die Achseln zuckt, daß ein findiger Jäger-bursche darum eine ausgezeichnete Phantasie haben solle,so wollen wir gern einräumen, daß nur von einer sehr be-schränkten Anwendung, von einem wahren Sklavendienstderselben die Rede ist. Aber wie weniges dies auch sei,es muß doch von dieser Naturkraft entnommen werden,denn wenn sie ganz abgeht, dann wird es schwer werden,sich die Dinge in ihrem Formenzusammenhange bis zurAnschauung deutlich vorzustellen. Daß ein gutes Gedächt-niß dabei sehr zu Hilfe komme, räumen wir gern ein; obaber das Gedächtniß dann als eine eigene Seelcnkraft an-zunehmen ist, oder ob es eben in jenem Vorstellungsver-mögen liegt, das Gedächtniß für diese Dinge bester zufixiren, müssen wir um so mehr unausgemacht lassen, alses überhaupt schwer scheint, diese beiden Seclenkräfte inmanchen Beziehungen getrennt zu denken.

Daß Übung und Vcrstandeseinsicht dabei sehr vielthun, ist nicht zu läugnen. Puisegur, der berühmte Ge-neralquartiermeister des berühmten Luxemburg, sagt: daßer sich anfangs in diesem Punkt wenig zugetraut, weil erbemerkt, daß, wenn er die Parole weit zu holen gehabt,er jedesmal den Weg verfehlt habe.

Es ist natürlich, daß auch die Anwendungen diesesTalents sich nach oben hin erweitern. Müssen der Husarund Jäger, bei Führung einer Patrouille, in Weg undSteg sich leicht finden, und bedarf es dafür immer nurweniger Kennzeichen, einer beschrankten Auffassung undVorstellungsgabe, so muß der Feldherr sich bis zu den