95
gefordert wird. Freilich ist der nicht der Beste, der diegrößte Vorstellung davon hat, dem ste am meisten imponirt(dies giebt jene Klasse von ängstlichen Generalen, die unterden Erfahrenen so häufig zu finden sind), sondern der Generalmuß ste kennen um ste zu überwinden, wo dies möglichist, und um nicht eine Präzision in den Wirkungen zu er-warten, die, eben wegen dieser Friktion, nicht möglich ist. —Man wird ste übrigens theoretisch nie ganz kennen lernen,und könnte man es, so würde jene Übung des Urtheilsimmer noch fehlen, die man Takt nennt, und die allemal,in einem Felde voll unendlich kleiner und mannichfaltigcrGegenstände, nöthiger ist, als in großen entscheidenden Fäl-len, wo man mit sich und Andern Konzilium halt. Sowie den Weltmann nur der fast zur Gewohnheit gewor-dene Takt seines Urtheils immer paffend sprechen, handelnund sich bewegen läßt: so wird nur der kriegserfahrene Of-fizier, bei großen und kleinen Vorfällen, man möchte sagen,bei jedem Pulsschlage des Krieges, immer paffend entschei-den und bestimmen. Durch diese Erfahrung und Übungkommt ihm der Gedanke von selbst: das Eine geht, dasAndere nicht. Er wird also nicht leicht in den Fall kom-men, sich eine Blöße zu geben, was im Kriege, wenn eshäufig geschieht, die Grundfeste des Vertrauens erschüttertund äußerst gefährlich ist.
Die Friktion, oder was hier so genannt ist, ist esalso, welche das scheinbar Leichte schwer macht. Wir wer-den in der Folge noch oft auf diesen Gegenstand zurückkommen, und es wird dann auch klar werden, daß, außerErfahrung und einem starken Willen, noch manche andere,seltene Eigenschaften des Geistes zum ausgezeichneten Feld-herrn erforderlich sind. .