Band 
[Band 1.]
Seite
111
JPEG-Download
 

111

Zugänge nach Piemont zu gewinnen, indem sie die Grafschaft Nizza eroberte. Seitdem Anfange des Krieges hatten die Feinde die Straßen nach Piemont siegreichvertheidigt, indem sie sich in den obern Thälern der Roya, der Tinea und derVesubia hinter Verschanzungen, die durch das Fort von Saorgio flankirt wurden,aufstellten.

Dumerbion brachte endlich diese durch blutige und vergebliche Treffen berühm-ten Stellungen zu Falle. Sein Plan ging dahin, den linken Flügel der öster-reichisch-sardinischen Armee mittelst eines Ueberganges der Roya und Taggia zuumgehen, mit der Hauptmasse nach den Quellen des Tanaro vorzurücken unddie Straße von Saorgio nach Tenda, die Rückzugslinie des Feindes, abzuschneiden.

Ein einziger Einwurs erhob sich gegen diesen Plan: man mußte das germa-nische Gebiet betreten, und die Neutralität verletzen. Aber gleiches war von denEngländern geschehen, welche im Hafen von Genua die französische FregatteLa Modeste geentert hatten, gleiches von den Piemontesern, indem sie eine zurVerstärkung der Besatzung von Toulon bestimmte Truppenabtheilung zu Onegliaeinschifften. Es ward daher beschlossen, ihrem Beispiele zu folgen.

Fünf Brigaden, zusammen 14,000 Mann, überschritten die Roya. Massen«dirigirte entlang der Küste eine Colonne von 3 Brigaden, welche ein feindlichesCorps zurückwarf, in Oneglia eindrang und das Thal des Tanaro gewann, dieKaiserlichen von Ponte -di-Nave vertrieb, Ormea zur Capitulation zwang undvon Garessio Besitz nahm.

Die beiden andern Brigaden unter La Harpe rückten unterdessen entlang demUfer die Taggia hinauf und nahmen Stellung auf dem Monte Tanardo. DieseBewegungen hatten den erwarteten Erfolg. Der Feind zog sich über das Gebirgezurück. Saorgio, von allen Seiten eingeschlossen, ergab sich; der Col di Tenda,von vorn und im Rücken angegriffen, ward genommen; der linke Flügel säubertedie Thäler der Vesubia. Dadurch kamen die Franzosen in den Besitz des süd-lichen Abfalls der Seealpen; links dehnten sie sich bis an den Col von Argen-tiöres, wo die äußersten Posten des Generals Dumas standen, rechts bis nachVado aus. Der Feind verlor 2 feste Plätze, 3 — 4000 Gefangene, 70 Geschütze,und die Verbindung mit Genua, so wichtig für die Vcrproviantirung der Armee,ward hergestellt.

Den Sommer über blieb man unthätig; aber gegen das Ende desselben zogendie Kaiserlichen eine Division bei Dego zusammen, in der Absicht, sich über Vadodie Communication mit der englischen Flotte zu eröffnen. Bei dieser Gelegenheitzeigte Massena den verwundbaren Fleck des Gebirgsgürtels, der den Eingang inItalien verschließt. 18,000 Mann wurden conzentrirt und marschirten durch dasBormidathal den Feinden entgegen. Bei Cairo kam es zum Gefechte, woraufsie in die Ebene Piemont's zurückgeworfen wurden; sie weiter zu verfolgen, warenkeine Anstalten getroffen, Massena kehrte daher nach Savona zurück und ließ dieUebergänge über die Gebirge befestigen.

itz