Buch 
Napoleons Feldzug in Sachsen im Jahr 1813 : eine treue Skizze dieses Krieges, des französischen Kaisers und seiner Umgebungen / entworfen von einem Augenzeugen in Napoleons Hauptquartier, Otto Freiherr v. Odeleben
Entstehung
Seite
61
JPEG-Download
 

3Cm Abend des 6. Mais ward die Nachrichtverbreitet, daß die Franzosen übermächtig gegen dieMulde vordrängen; schon kamen einzelne Abthei-lungen von russischem Fußvolk und Geschütz, undes war unverkennbar, daß sich das ganze Heerder Verbündeten auf das rechte Elb-Ufer zurückziehen wollte. Ein buntes lebendiges Gemählde!Bald sah man eine Reihe von Wagen, welchedie Feldkrämer in der Eile noch mit eingekauftenLebensmitteln und frischen Branntweinvorräthenbeluden, bald eine Abtheilung von Kosacken, dieKühe vor sich her über die Brücken trieben; jetztandre, die eine Abtheilung gefangener Feinde ge-leiteten, jetzt eine Schaar von Baschkiren mitschlanken Bögen und einem Köcher voll langer ge-fiederten Pfeile, bis man endlich wieder, beidem Anblicke eines langsamen Wagenzugs, derunglücklichen Tapferkeit eine neue Thräne derTheilnahme weihte.

Die VerschanzungeN vor der Schiffbrücke,obgleich noch nicht ganz vollendet, wurden indeßzur Vertheidigung eingerichtet und mit Geschützbeseht. Auch wurden in Meißen, wo am 7. desMais das Hauptquartier des Generals von Biü-che r war, Vertheidigungs - Anstalten gemacht, alleSchiffe auf das rechte Ufer geführt, und dieängstliche Bekümmerniß fürchtete schon alle Drang'sale, womit eine rückwärts ziehende HeeresMaffeihren Weg zu bezeichnen pflegt. In den Nach-Mirragstunden des 7. Mais gingen zahlreiche Ge-