Band 
Zweiter Theil. Dritter Band.
Seite
448
JPEG-Download
 

448

Oestreich hatte sich indessen durch diese hingeworfene Dro-hung keinesweges einschüchtern lassen, sondern unterm 3. Aprilgleichzeitig an Frankreich, Rußland, England und Preußen Er-öffnungen gemacht, in welchen es seine Vermittelung anbot undden Wunsch aussprach, daß die Unterhandlungen auf den nach-folgenden Grundlagen sofort beginnen möchten:

1) daß die Angelegenheiten Deutschlands der Gegenstandeines ganz neuen Arrangements würden;

2) daß imgleichen der Zustand von Italien einer neuen Re-vision unterworfen werde; daß

3) die Angelegenheiten der Türkey auf dem durch die frü-heren Verträge geregelten Fuß verbleiben und

4) Polen in dem Zustand vor dem gegenwärtigen Kriegeerhalten werden solle;

5) daß endlich England Theil an den Unterhandlungen neh-men möge.

Napoleon wies diese Vermittelung nicht zurück, sondernnahm sie vielmehr mit scheinbarem Eifer auf, verhehlte dabei aberauch nicht, daß England in die Unterhandlungen nur eingehenwürde, um wo möglich die Unruhen auf dem Kontinente zu ver-längern.

England antwortete mit großer Vorsicht, daß es bei demWerke eines allgemeinen Friedens konkurriren wolle, sich aber erstder Zustimmung seiner Verbündeten vergewissern wolle.

Rußland erklärte sich bereit, die Vermittelung Oestreichsanzunehmen, daß es zuvor aber die Basen kennen lernen müsse,auf welchen Frankreich unterhandeln wolle.

Preußen erwiederte ganz unumwunden, daß es an einemglücklichen Erfolg der Unterhandlungen mit Frankreich zweifele,und dagegen den Kaiser Franz II. bitten müsse, einer Konventionbeizutreten, die so eben mit Rußland abgeschlossen worden, undvon der alsbald die Rede sein wird. l ) Der Major Knesebeck

1) Das jene Erklärung unterstützende Schreiben des Königs an denKaiser Franz vom 10. Mai lautete:

»M. m. fr. ! Votre Majesté I. et R. désire de rendre le repos