gerschaft, daß kapitulirt werden möchte. Auf dem einen Theilderselben lastete die Schmach des Vaterlandes, zu ’ teer er nichtshinzufügen wollte; der andere Theil, in der bestimmten Hoffnungauf die Fortschritte der russischen Operationen, befürchtete, bei derBesitznahme der Stadt durch die Franzosen, eine zweite Belage-rung aushalten zu müssen; endlich ein dritter Theil, dessen Häu-ser bereits niedergebrannt oder zertrümmert waren, wollte nicht,daß solche große Opfer ohne Zweck gebracht worden wären. Einezweite Deputation der Bürgerschaft wurde daher um Uhr des26. dem Gouverneur vorgeführt, protestirte gegen den Antragder ersten Deputation, und erklärte, die Bürger würden sich ehertodtschlagcn lassen, als für die Uebergabe stimmen. *) Der Gou-verneur erwiederte daher auf die am vergangenen Tage einge-gangene Bittschrift:
„Einem rc. Magistrat und Kaufmannschaft erwiedere aufderen gestern an mich erlassene Bittschrift und mündlich wieder-holtes Ersuchen, daß, da ich mich jetzt überzeugt habe, daß beiweitem der größte Theil der Einwohner nicht dieses Sinnes ist,vielmehr vor jeder Uebergabe zittert, ich auf oben angeführte Bitt-schrift weiter keine Rücksicht nehmen kann." —
In Betracht dieser günstigen Stimmung der Bürger, undweil der Feind während des Waffenstillstandes die Arbeiten gegendie Festung fortsetzte, auch den Springstern allarmirte, kündigteder Gouverneur bereits um 10 Uhr des 26. den Waffenstillstand,so daß Nachmittags das Feuer von den Wällen aufs Neue be-gann.
Der General Vandamme, wüthend über die unerwartete gänz-
1) Bei dieser zweiten Deputation befand sich der Kunstdrechsler See-ling, der durch Vaterlandsliebe ausgezeichnet, hier besonderer Erwähnungverdient. Er theilte seine Begeisterung den zahlreich vor dem Regierungs-gebäude versammelten Bürgern mit, welche in seinen Ruf: „Es lebe SeineMajestät der König! Keine Kapitulation!" mit einstimmten. Nach der end-lichen Uebergabe der Stadt gab rc. Seeling jedem ehemaligen Soldatenoder Freiwilligen, der sich zum Abgänge nach Glatz meldete, ^ Thlr. Reise-geld, und sorgte für die Erhaltung und Bekleidung der Invaliden-Kom-pagnien von Hohcnlohe und TreuenselS.
IV.
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