sich aber davon durchdrungen, daß, wenn es auch nur gelänge,dem Feinde die Belagerungsarbeitcn und Geschütze zu zerstören,man nicht allein Zeit gewönne, sondern der Feind auch zur Auf-hebung der Belagerung gezwungen werden dürfte, da er an Ge-schütz nur nothdürflig ausgerüstet sei. Hielte man den AuSfallim Verhältniß zur Stärke der Garnison für zu stark, so möchteman ihn angemessen vermindern, da der Feind bei dem großenUmfang der Festung, auf den angegriffeucn Punkten keine Uebcr-legenhcit während des Ausfalls entwickeln könne.
Der Artillerie-Offizier vom Platz und der Ingenieur-MajorHarroy äußerten sich dahin, daß durch den Uebergang des Aus-falls über die Vorgräben auf Plätten, etliche Stunden verlorengehen, und die Unternehmung dem Feinde verrathen werden müßte,so daß er also eigentlich nicht überfallen werden könne; käme eszum Rückzüge, so würde der Ausfall ungebührlich gedrängt wer-den und große Verluste erleiden, der Feind wohl gar mit in dieEnveloppe eindringen. Sie waren daher der Meinung, daß manmittelst kleiner Ausfälle von 50 Mann die feindliche Paralleleöfter allarmircn müsse, sobald selbige anfange, die Festung ernst-haft zu bedrängen. Der Kommandant, der General v. d. Lahrund der Gouverneur stimmten diesem Urtheile bei, und als mansich näher über die Aufstellung und Stärke des Feindes unterrich-tet hatte, gab auch der Oberst Kalkreuth seine frühere Meinungauf, und erklärte in Gemeinschaft mit dem versammelten Kricgs-rath, daß ohne die Festung der sichtbarsten Gefahr auszusetzen,ein größerer Ausfall nicht zu unternehmen sei, wohl aber die vor-geschlagenen kleinen Ausfälle anzuwenden sein dürften. —
Man kann dem Urtheile des Kriegsraths nur beistimmen.Die Ankunft des Lieutenants Rottcnburg, das Einschleichen undHinausschleichen so vieler Personen, deuteten bereits darauf hin,daß der Feind keinesweges durch den großen Umfang der Festungzu einer Zerstreuung seiner Kräfte verführt worden sei, sonderndieselben auf der angegriffenen Seite konzentrirt habe, in der Zu-versicht, daß die Festung von der Wasserseite in Absicht auf großeUnternehmungen nach auswärts, von selbst abgesperrt sei, und aufdem linken Ufer der Neiße an einem weiten und obenein zweck-