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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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2 .

Bericht zweier Offiziere, die auf Herzog Bern-hardts Flügel gewesen waren, an den Kurfürstenvon Sachsen.

Sie beginnen mit der Erwähnung des Scharmützels beiRippach, wo beim Dorfe Posern ein Engpaß ist bei einer Brücke,jenseit welcher eine ziemliche Anhöhe, die eine Front der kaiser-lichen Reiterei zeigte, welche der König vertrieb, und den 5.Abends in die Ebene niederstieg. Da war der Feind noch inden Dörfern zerstreut, und die Kanonen des Königs spielten, ehedie Loosung im feindlichen Hauptquartier gegeben war. Als nundie dunkle Nacht eingebrochen war, hielt der König mit der Ar-mee in Schlachtordnung; man sah die feindlichen Wachtfeuer inden Dörfern. Im Morgengrauen des 6. setzte der König sei-nen Marsch gegen den Feind fort; Gefangene erzählten, daß

Pappenheim mit 8 Regimentern nach Halle gezogen. Als derKönig Lützen näher gekommen, schoß der Feind mit Musketen

von den Mauern; seitwärts der Stadt hielten vier Schaaren

Reiter; man sah dort obenhec eine Front Reiterei und Fußvolkbei den Windmühlen und konnte deutlich vernehmen, daß mehrVolk im Anzüge war. Also ist der König mit seiner Schlacht-ordnung rechts von der Stadt gegen den Floßgraben vorgerücktund, als beide Armeen nun Front gegen einander gemacht, als-bald auf den Feind losgezogen. Man begann zuerst mit einigenSalven aus zwei halben Karthaunen, die der Feind sowohl vonseiner Batterie bei den Windmühlen, als den Batterien von derscheiditzec Seite her erwiederte. Das beiderseitige starke Schie-ßen währte gegen eine Stunde, bis der rechte Flügel des Königs soweit vorgerückt war, daß er fast den Rücken gegen Ranstädt kehrte,womit das Treffen zu Pferde und zu Fuß auf beiden Seiten