Band 
Zweiter Band.
Seite
136
JPEG-Download
 

136

gegen sie ergoß, oder sich nur gegen den Punkt zu dirigiren,auf welchem sie die erste Angriffs-Kolonne im Gefecht glaubte,und wo sie selbst jeden von dieser errungenen Vortheil besserverfolgen konnte. Zwischen den Teten beider Kolonnen befandsich wahrend dieses Vorgehens ein Zeitunterschied von 10 bis12 Minuten Marschlange. Ob diese Differenz in der Zeitihrer Bewegung absichtlich war oder aus einem Mißverstand-niß bei Ukberbringung der Befehle oder durch irgend einenandern Zufall entstanden ist, bleibt ungewiß; es ist aber augen-scheinlich wahr, daß die Formirung zweier getrennter Angriffesie der nahen Gefahr aussetzte, einzeln geschlagen zu werden— eine Gefahr, welche, wie sich sogleich zeigen wird, sehr baldzur Wirklichkeit ward.

Die zweite Angriffs-Kolonne ging, wie die erste, mit gro-ßer Kühnheit und in ausgezeichneter Ordnung vor und schienvom besten Geist beseelt. Ein Schwärm von Tirailleurs deckteden linken Flügel ihrer Front, um ihren Marsch so viel alsmöglich den Blicken der Briten zu entziehen. Die Batailloneder Brigade Adam ließen jedes eine Kompagnie ausschwärmen,um sie aufzuhalten. Während des Vorgehens der Kolonne,besonders als sie den sanften Abhang östlich des großen Obst-gartens von Hougomont hinabstieg, litt sie durch die britischeKanonade empfindlich. Das Feuer einiger britischen Batterienrechts der Brigade Maitland war seit dem Anfange des Vor-gehens der Kaisergarde so mörderisch geworden, daß die Fran-zosen sich endlich genöthigt sahen, plötzlich eine AbtheilungKürassiere hervorbrechen zu lassen, um diese Geschütze zumSchweigen zu bringen. Es gelang ihnen dies zum Theil.Die Kürassiere attakirten tapfer eine der Batterien, zwangendie Artilleristen, hinter der Infanterie Schutz zu suchen undvertrieben gleichzeitig die Tirailleurs des 2ten Bataillons des9Ssien und die des 52sien Regiments. Ihre Fortschritte wurden