500 Mann Infanterie, 70 reitenden Jägern und 80 Gensdar-nien zur einsamen Alphüttc gesendet, um Hofer gefangen zunehmen. Ueber 2000 Mann waren in den Waffe» und die ganzeMacht avisirt, auf der Hut zu seyn, wenn etwa das Volk sich zu seinenGunsten erhöbe. Um Mitternacht trat dieCvlonne Ncnouard'S ihrenMarsch über Eis und Schnee an und traf gegen Morgen beider Hütte an. Als Ncnouard nach ihm fragte, trat Hofer aufdas erste Anklopfen hervor und sagte: „Ja, meine Herren Fran-zosen, ich bin Andreas Hofer;... macht mit mir, was euch be-liebt; aber verschont meine Frau und meine Kinder; sie sindunschuldig..." Er ließ sich binden und wurde mit seinem zwölf-jährigen Sohne, seinem Weibe und seinem Schreiber durch langeSpaliere von Soldaten nach BotzeN abgeführt. Die häufig zu-sammenströmenden Tiroler weinten laut; die Franzosen aberwaren ihres Fanges froh. Es war der 27. Januar 1810 anWelchem Hofer ergriffen wurde. Man hatte in seiner Hütte viergeladene Büchsen, eine Tasche mit Papieren, ein Portefeuille undGeld in Münze und Wiener Banknoten gefunden.
In Dotzen blieb Hofer einige Tage in Gewahrsam, wäh-rend Baragnay d'Hillier seine Gefangennehmung schleunigst nachMailand meldete. Hofer war immer ruhig und heiter, und bateinige Personen, die er beleidigt zu haben glaubte, namentlichGaffer, einen der Anführer der ausgestandenen Landesschützen,uln Verzeihung, erhielt aber nur Thränen zur Antwort. Bara-guay d'Hillier ließ ihm seine Ketten abnehmen und ihn in einangemessenes Gefängniß bringen. Mehrere stanz. Offiziere be-suchten ihn und versahen ihn mit verschiedenen Kleidungsstücken,z. B. mit einem Mantel und mit Equickungen, mit der aus-drücklichen Erwähnung: „auch Er habe ja immer die Gefange-nen sehr menschenfreundlich behandelt." Einer der Offiziereschenkte ihm eine Dose, worauf des Sandwirths Brustbild nebendem des Herzogs von Braunschwcig und des Majors v. Schiltzu sehen war. Seufzend betrachtete Hofer sein Bildniß undsprach: „O! das bin ich gewesen!"
Der zweimonatliche Aufenthalt in jener Schneewelt, dieschlechte Nahrung, die Kälte (sein Sohn hatte die Füsse ganzerfroren), hatte» Hofer physisch sehr angegriffen. Er war ein-gefallen, der Kopf graner, der Blick matter, und schien ganz er-schöpft; aber man würde sehr unrecht thun, zu glauben, sein