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Feldzug der Oestreicher in Italien : von der Papstwahl Pius des Neunten bis zum Waffenstillstand von Mailand : voran eine Schilderung der Zustände Italiens seit dem Wiener Congress und der Hauptveranlassungen seines Aufstandes / von Ferd. Frhrn. von Biedenfeld
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Was heißt in der That ein österreichischer Prinz auf jenemThrone? Eine Wiederaufwärmung des alten dynastischen Gelüstes,der alldynastischen Vaterschaften und Erbverdrüderungen, eine still-schweigende Sanction des todtgeschlagenen feudalistischen Popanzes,des Obereigenthumsrechks einer Familie über Land und Leute, Land-und Leibeigenschaft! Was wird Anderes daraus, was kann Ande-res daraus werden, als eine verhängnißreiche Wiederanknüpfungjener unseligen diplomatischen Ränke zwischen Frankreich und Oester-reich, jener jammervollen Eifersüchtelei auf den gegenseitigen Einflußin Italien, jenes ewigen, alle Kraft und Zuversicht raubenden Zu-standes eines bewaffneten Friedens, worein auch Deutschland unab-wendbar verflochten wird? Was wird und muß hieraus für Ita-lien sich ergebe»? Unabwendbar die alte Wortbrüchigkeit, Treulo-sigkeit, Verrath, Reaction, Zerwürfniß, Lähmung, geheime Gesell-schaften, neue Demoralisation eines kaum zu einigem Bewußtseingelangten Volkes, und neues Revolutionsgebrüte. Italien, als eingroßes, einiges Glied in der europäischen Staatenkette, ist unrettbarverloren, und abermals verdammt, unter Scheinfürsten von Modenaund Parma sein Leben zu verkümmern, in geheimer Eifersucht zwi-schen Piemonl, Lombardei und Neapel seine schönsten Kräfte gegensich selbst zu kehre» und seine landwirthschastlichcn Zustände nur zuverbessern, um bald wieder bequeme Schlachtfelder für Franzosenund Oesterreicher zu bereiten.

Und was hat Oesterreich davon? Den Hochgenuß, sagen zukönnen: Unser Kaiser hat doch Recht behalten! Das Glück, jährlichein paar Millvnen mehr.an Heeresmacht zu vergeuden, um daS»elterliche Emmischungsrecht in alle italienischen Dinge wahren zukönnen! Die Ehre und den bencidenswerthen Ruhm, von Ruß-lands Willen fort und fort abhängig zu bleiben, mehr und mehrin Rußlands Vasallenschaft zu versinken, weil seine Dynastie, ewigfür Italien, Ungarn und Galizien besorgt, überall die Hände ge-bunden hat. Wohlan, will die österreichische Nation eine unfrucht-bare, schmachvolle und ewig mit neue» Gefahren drohende Vetter-schafts-Oberhoheit ihrer Dynastie in Italien der innigsten Freunv-schaft und Verbrüderung mit dem freien Deutschland vorziehen, sostürze es sich in sein unvermeidliches Verderben. DeutschlandsFreiheit wird deßhalb nicht untergehen, deS übrigen einigen Deutsch-lands Macht bleibt stark genug, um sich selbst zu behaupten, undallen kaiserlichen Gelüsten von Petersburg und deS russischen Va-sallenthums zu Wien trotzen zu können, ohne auf Frankreichs Hülsezu bauen!

Aber, nein, edle Oesterreicher, handelt nicht also, reißt denkünstlichen Flor von euren Augen, enthebt euch einem alten Blend-werke. Au der Hand Deutschlands könnt und werdet, ja müßt ihrim Osten zehnfach an wahrem Glanz und Glück, an wirklicher