Buch 
Frankreich als Militairstaat unter Ludwig XVIII zehn Jahre nach dem Pariser Frieden / von Leopold von Zedlitz
Entstehung
Seite
55
JPEG-Download
 

55

Die Gränzen Frankreichs.

einmal 1647 in österreichische Hände gekommen war, ist 1655Ludwig XIV vor ihren Mauern erschienen, und hat 15 Tagenach Eröffnung der Laufgraben ihre Uebcrgabe bewirkt. Erließ die durch den Chevalier de Ville größtcnthcils erbautenWerke durch Vauban verbessern, nachdem sie der pyrcnaischeFrieden zu seinem Eigenthum gemacht hatte. Der Prinz Eu-gen belagerte sie 1712 vergebens. Unter Ludwig XV wurdedas Hornwerk auf Vorschlag des Marschalls von Sachsen er-weitert und verbessert. 1794 belagerten sie die Oesterreicher.Sie ergab sich nach einigen Tagen an den das Belagerungscorpscommandirenden Prinzen von Oralsten; so ergab sie sich 1815unter dem Obersten Foras, nach einer vierwöchentlichen Ein-schließung, am 21. Juli, dem Prinzen August von Preußen.Landrecy gehörte unter die Städte, welche von den verbün-deten Truppen besetzt blieben. Man rechnet von hier nachParis 40 alte Lieues und nach der Festung Cambrap 7 Neues.Die Straße in diese letztere Stadt führt, über das KirchdorfOrs, in den Flecken Chateau Cambrcsis, berühmt durch dendaselbst abgeschlossenen Frieden, auch wurde der MarschallMortier hier geboren.

Nicht minder merkwürdig wurde dieser Ort durch das glän-zende Cavalleriegefecht, welches die Oesterreicher am 26. April1794 in seiner Nähe bestanden, in welchem der Fürst KarlSchwarzenberg die ersten Lorbeern um sein Haupt wand;mit dem Regiment Zeschwitz Cürassiere, dessen Oberst er war,und zwei englischen Brigaden griff der nachher so berühmtgewordene Feldherr den Feind an, mit der größten Entschlos-senheit warf er alles vor sich nieder, jagte die Franzosen indie Flucht, nahm ihnen 25 Kanonen, und der französischeBefehlshaber, General Chapuis, siel in Gefangenschaft. Nachdessen eigner Angabe war das französische Corps 27,000 Mannstark. Durch dieses wichtige Tressen, in welchem die Tapfer-keit der österreichischen Cürassiere und die der englischen Garde-dragoner entschied, wurde den Franzosen eine wichtige Unter-nehmung aus Flandern vereitelt. Die Infanterie hat hierbloo zugesehen, ohne Gelegenheit zu haben, einen Schuß zu