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Orte — denn etwas anderes war diese Vertreibung nicht als ein neuer Sieg der katholi-schen Eidgenossen — alle edeln Gemüther und Bullinger und andere Prediger scheuten sichnicht in ihren Briefen, wohl gar auch auf der Kanzel, offen und unumwunden das Beneh-men der reformirten Stände zu tadeln.
Jene standhaften Bekenner des Evangeliums aber, die Haus und Heimat freudig ver-ließen einer ungewissen Zukunft entgegen gehend, welch erhebendes Beispiel bieten sie uns!Dankbar feiern wir das Andenken jener trefflichen Vorfahren, die das edelste Gut, diegeistige Freiheit, den reinen evangelischen Glauben uns errungen und bewahrt und mitihm eine neue Heimat uns gegründet haben, der anzugehören unser Stolz und unsereFreude ist. Sie bieten uns aber auch ein Vorbild ächter evangelischer Glaubenstreue, diein solcher Weise zu bekunden nur in großen Zeiten großen Seelen vergönnt ist.
Die glänzendste Zeit in der Geschichte Zürichs ist gerade jene Epoche, als unsere Vor-fahren seinen gastlichen Boden betraten. Welch' reiches geistiges Leben herrschte damals inunserer Vaterstadt und verbreitete seine segensreichen und erwärmenden Strahlen weit hinausüber die Grenzen des Schweizerlandes, als vor allem der edle Bullinger und seine Freundeund Genossen, Leo Judä, Pellikan, Bibliander u. a. Zürich zum Mittelpunkt der Refor-mation der deutschen Schweiz machten! Nachdem man die vertriebenen Locarner aufsfreundlichste aufgenommen hatte, bestellte ihnen der Rath einen eigenen Pfarrer in derPerson des Bernhard Occhino, eines aus Siena gebürtigen eifrigen evangelischen Priestersund wies ihnen die St. Peterskirche für ihren Gottesdienst an. Die Behausung undBesoldung des italienischen Geistlichen übernahm die Regierung und verbot durch offenenKirchenrus den störenden Zulauf neugieriger Gaffer: „alles in der Erwartung — heißt esin dem betreffenden Rathsbeschluß — daß in drei oder vier Jahren Weibs- und Manns-personen unserer Sprache so viel ergriffen, daß sie sich dannethin unserer Predikanten wohl