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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Fünfunddreißig, theils getödtcte, theils durch Wunden dienstunfähiggewordene Officicrc, alle meine Vordermänner, waren aus unserem Re-giments-Verbände während des Krieges geschieden, und ich also in dreiJahren vom jüngsten zum zweiten ältesten Seconde-Lieutenant vorgerückt.

Nach der namentlichen Regiments-Liste, welche mir eben vorliegt, wa-ren das sogar über vierzig Pas; für die gewöhnliche Carriere in einemfesten Officicr-Verbande ein recht passablcs Avancement! Zwölf bis fünf-zehn per kwnum.

Ein Paar Kreuze schmückten meine Brust, vier feindliche Kugeln, von 1denen die letztere in der Wunde stecken geblieben, hatten mich ziemlich un- jsanft berührt und zeugten nebenbei von der intimen Bekanntschaft, dieich mit unseren tapferen Gegnern, den französischen Kriegern, immer vor-trefflich, damals aber unter Napoleon unübertrefflich, gemacht hatte.

Ich war zweiundzwanzig Jahre alt, gesund, kräftig, ziemlich wohl-gebaut, immer in heiterer, munterer Stimmung und von allen meinen!Kameraden lieb und werth gehalten; dazu meinen Dienstpflichten eifrigund treu ergeben, und von meinen Vorgesetzten geachtet und gern ge-sehen. Denn wenn auch zuweilen Unebenheiten und Nebcnrciser sowollen wir eine oft übersteigerte Reizbarkeit und maßlose Heftigkeit, beistets eraltirter Auffassung der gewöhnlichsten Lebensvcrhältnifse, glimpf-licherweise nennen grell und oft unangenehm hervortraten und sichgeltend zu machen suchten, so war doch der Kern, das Soldatenhcrzund das Gemüth frisch und gesund, in Erfahrungen gebildet, und fürjedes bessere und höhere Gefühl leicht empfänglich. Galt es daher krie- !gerischer Ehre und Ruhm, mit den Begriffen und Schätzung von Men- sschenwcrth und Menschenwürde immer innig vereint, dann vibrirte diesesarme Herz complct in elastischen Schwingungen und fast krankhaft aufge-regten Pulsschlägen, wenn ich so sagen kann, jeden freudig-wonnigen und ^selbst schmerzlichen Empfindungen entgegen.

So ausgerüstet, wollen wir nun denWanderer" seinem Geschicküberlassen; diese Bezeichnung für Schicksalsfügungen habe ich wahrlichnicht deshalb gewählt, um, wie es so oft geschieht, blindlings, und darumMeist ungerecht, ungünstige Begebnisse dem bloßen Fatum anheimzustel-len, und dann nach Herzenslust dasselbe anzuklagen. Im Gegentheil,