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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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ligen dringenden Anfragen:warum das Geschäft nicht rascheren Fort-gang nehme?" aufbringen konnte.

Um diesem reellen Mangel nunmehr abzuhelfen, erging die schon öf-ters erwähnte Aufforderung an Officiere der Armee, welche sich dazu ap-plicable und fähig fühlten.

Nach einer pro formn abgelegten Prüfung, welcher sich übrigens nurzwei Officiere unterwarfen, fand ich auf der Herrschaft Zembowitz, beiNosenberg in Obcrschlesicn, meine erste Beschäftigung und in der Fa-milie des dasigen Landraths die freundlichste Aufnahme. Hier war einAsyl, hier ächte oberschlesische Gastfreundschaft. Gesellschaften, Bälle,Jagden und alle diese Vergnügungen, welche gebildete Stände erfreuenund den Genuß der Jugend erhöhen, wechselten in ununterbrochener bun-ter Reihe, und daß ich bei solchen bewandtcn Umständen nur wenig undsehr flüchtig vermaß, ist leicht begreiflich. Glücklicherweise war die mirzugefallene Aufgabe fast kinderleicht, nur die ersten Elemente des mathe-matischen Wissens dazu erforderlich, und setze ich zur Bewahrungmeiner Gewissenhaftigkeit noch hinzu nicht nach täglichen Diäten, wiefrüher bestimmt worden, sondern nach Liquidirung der vermessenen Mor-genzahl wurde die Zahlung verabreicht; und liquidiren habe ich weder da-mals noch später gelernt. Als Beweis für diese erstere Aufstellung maggelten, daß ich lange nachher, als ich schon längst das ökonomische Ver-messen aufgegeben hatte, hundert und einige Thaler vor Jahren zu we-nig liquidirter Vermcssungsgcbühren nachgezahlt erhielt.

Wohl ein sehr seltener Fall, der Erwähnung werth.

Ich könnte nun sehr leicht mit schön klingenden Worten sagen, daßder innere Drang nach Vervollkommnung als Militair, und die festeUeberzeugung, wie nur durch ein unvcrrücktes und konsequentes Fort-schreiten auf der vom Geschick zugewiesenen Lebensbahn das vorgesteckteZiel erreicht werden kann, mich allein bestimmen konnte, ein Verhältniß,in das ich eben erst eingetreten (jedoch ohne es genau gekannt und rich-tig beurtheilt zu haben), wiederum aufzugeben, obgleich mir Genuß undVergnügen in Hülle und Fülle in demselben geboten ward. Doch fügeich hier lieber noch ganz einfach das aufrichtige Bekenntniß hinzu, daß füreinen jungen Officier meiner Denkart, mit etwas überspanntem Ehrge-