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Studien und Arbeiten für die Vortrage auf der Allgemeinen Kriegs-schule so recht nach Herzenslust widmen zu können; denn meine Anstellungin der Plankammcr bot mir die Mittel zum sorgenfreien Aufenthalt in derResidenz, und die Vorlesungen, bei welchen ich in der höchsten Bildungs-anstalt für Officiere hospitiren durfte, gewährten mir unendlichen Ge-nuß und Gewinn für mein geistiges Fortschreiten.
Vortheile, wie diese, Kriegsschule und topographisches Bureau zu-gleich, sind, wie ich bestimmt weiß, nur zwei oder drei jungen Officierenjemals zugefallen, und wenn ich dies große Glück dankbar zu schätzenwußte, so dringt sich mir hierbei die Bemerkung auf, daß Männer, wievon Grolman und von Schack, wohl erkannt haben mochten, was michdieses Vorzuges würdig machte.
Glücklicherweise habe ich diesem Vertrauen und dieser Voraussicht auchzu entsprechen Gelegenheit gefunden.
Leider aber fühlte ich damals sehr bald die gewaltigen Lücken in mei-ner intellektuellen Ausbildung, und nur der sehr günstige Umstand kammir zu statten, daß ausgezeichnete und praktische Militairs zugleich alsvortreffliche Lehrer unsere Kriegsschule zu jener Zeit zu einer wahrenSchule für den Krieg erhoben. In diesem glücklichen Umstand begegneteich nach den vorhergegangenen Erfahrungen als praktischer Kriegssoldat,wenigstens theilweise, bei den wissenschaftlichen Bestrebungen bekanntemTerrain.
Ohne wirklich kriegskundige Lehrer können aber die Vorträgt überTaktik, Kriegsgeschichte und Generalstabs-Geschäfte nur sehr geringeFrüchte tragen.
Es ist ja, als ob der Blinde Farbenlehre dociret.
Die Taktik, als Wissenschaft behandelt und durch Beispiele aus denpraktischen Erfahrungen erläutert und belebt, wurde vom damaligen Ober-sten im Generalstabe, Leo von Lützow, vorgetragen. Man konnte es demalten, vortrefflichen Soldaten zuweilen anhören, wie schwer und wie mühe-voll ihm der rein theoretische Theil seiner Lehre in der mündlichen Ausein-andersetzung wurde, und daß der systematisch geordnete Gang seine Jdeen-Combinationen oft gewaltig gem'rte. Aber wenn Oberst von Lützow daskleine Heft mit seinen schriftlichen Notizen, deren er sich übrigens nur