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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Der den Wissenschaften leider zu früh verstorbene General C. vonDecker, unser damaliger Lehrer, den Jeder, der ihm nahe gestanden,liebte und achtete, hat sich um seine militairische Mitwelt gewiß sehrverdient gemacht; denn er wies dem wissenschaftlichen Streben des jun-gen Officiers zuerst die richtige Bahn. Er blieb als Lehrer sowohl inden Vortragen, als in der Art, den Stoff und seine Zuhörer zu behan-deln und letztere an sich zu fesseln, jeder beängstigenden, für die Schü-ler eben so wie für die Lehrer quälenden Methode gänzlich fremd, unddas sogenannte Klippschulenmäßige hielt von Decker, selbst mit einigerAffectation, durchaus von sich entfernt. Ob dies aber bei allen Schü-lern und unter allen Verhältnissen unberücksichtigt zu lassen gerade gutund cmpfehlenswcrth genannt werden kann, ist schwer zu erweisen.

So viel ist jedoch mit einiger Gewißheit zu sagen, daß von Dccker'sgeniale Lehrmethode Allen und Jedem gefiel und immer interessirte, viel-leicht aber nur Wenige gründlich und nachhaltend belehrte.

Die Vortrüge in der Kriegsgeschichte waren dagegen in jeder Be-ziehung classisch und daher auch gründlich zu nennen. Der Major Frei-herr von Canitz vorn Generalftabe hielt dieselben. Der Lehrcursus, wel-chem ich damals beiwohnte, umspannte die Geschichte der ersten Kriegs-jahre der ersten französischen Revolution (17911797).

Wer von uns jenen bisher unübertroffen gebliebenen Vortrügen überden Feldzug der Preußen in der Champagne, in den Argonncn undin den Niederlanden (meistens nach den Werken Dumouricz's) aufmerk-sam gefolgt ist, und dann die Glanzhöhc derselben sowohl in militairisch-kriegsgeschichtlicher, als in Beziehung auf das Vollendete in Vortrag undSprache, namentlich über den Krieg in der Vcndöe, mit allen Kräftendes Geistes, welche des Major von Canitz Lchrart weckte und nährteund in steter Spannung zu erhalten wußte, in sich aufgenommen hat,wird die Bilder und das wunderbar Heroische jenes letztgenannten Kam-pfes nie mehr vergessen können. Es sind dies Bilder, welche sich beidem Interesse des Gegenstandes und der Lebhaftigkeit und Gediegenheitdes Vertrags tief in die Seele und öas Gedächtniß prägen mußten.

Schade daß für das Firircn solcher seltenen Seclcngcnüsse nichtdes Daguerreotpps Wunder- und Zauberkraft eingerichtet werden kann;Schade, wiederhole ich, daß damals wie heut beim Aufnotircn nur das