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Worte an denselben. John wußte hierauf so correct und geschickt zu ent-gegnen, daß die Prinzeß mit der vollendetsten Grazie das ihr dargereichteGlas mit den Lippen berührte, eine Blume abpflückte und mit majestä-tischer Würde sich entfernte.
Mit Begeisterung leerte der glückliche Unterofficier das Glas, drücktees auf die Kriegerbrust, und wird es gewiß als das theuerste Andenkenjenes Friedensfestes lebenslang als Kleinod bewahrt haben.
Der nahe 18te Juni, Jahrestag von la Belle-Alliance, gab aber-mals die beste Gelegenheit zur Wiederholung der eben beschriebenen Feier-lichkeit mit anpassenden Abwechselungen.
Kirchlicher Sermon, große Parade, Diner im Königlichen Schlossefür sämmtliche Officiere, und für die Soldaten, wie am letzten Zlstcn;Abends Theater, Illumination und Tanzvergnügen im Freien für dieetwas sehr muntere und aufgeregte Soldateska.
Im großen blendenden Muschelsaale harrte der glänzende Hofstaatund die von Sternen und Orden flimmernde Generalität des Monarchen-Zur bestimmten Minute trat der König in unsere Mitte, und nur we-nige Augenblicke später auf der entgegengesetzten Seite der FeldmarschallGraf Gneisenau, und stellte sich, wie immer, vom Focus des Hofglan-zes entfernt und in kräftigster Haltung allein. Alle Blicke waren nachihm gerichtet. Der König selbst schritt durch den ganzen Saal dem An-gekommenen entgegen, erfaßte ihn bei der Hand und führte seinen Fcld-marschall auf den Ehrenplatz an der Königlichen Tafel.
Ihm gebührte auch wohl mit allem Recht daS Lorbecrrcis am heu-tigen Tage, denn unser alte Held „Fürst Blücher" lebte nicht mehr,und Gneisenau hatte den herrlichsten Sieg durch seine in der Kriegs-geschichte fast einzig dastehende Verfolgung bis zur gänzlichen Vernichttung des stolzen Feindes zu steigern gewußt.
Dem Feldmarschall Graf Gneisenau gebührte also mit vollem Rechtshier und für alle Zeiten, so lange Geschichte lebt und lehrt, der schönst?Lorbeerkranz für la Belle-Alliance.