Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
195
JPEG-Download
 

195

bestimmt und präcis gewesen bin. Ueber die Lage des, beiläufig3^agt, ungeheuern Gebäudes des Kaiserlichen Pagencorps habe ichwich aber nie orientiren können. Meine Ermüdung von heut unddas wenige Interesse von später trägt dabei wohl größtenteils dieSchuld.

Obgleich ich zum Beginn meiner Ercursioncn außergewöhnlicher undglücklicher Weise einen ziemlich hellen Wintertag getroffen hatte, so um-r°g doch schon, als ich vielleicht gegen 3 Uhr Nachmittags nach Hausefuhr, eine Art Dämmerung die Gegenstände; eine Dämmerung vongraulicher Natur, feucht und kalt, welche, so dünkte es mir, sehr nach-teilig auf die Nerven wirkte, und auch mich sogar schon diesen erstenTag für jede andere Unternehmung untauglich machte. Und so steigerte^ fich täglich. Ohne irgend eine geistige Beschäftigung festhalten zutrincn, verflossen mir höchst langweiligen Tempo's die langen Abende,^»n auch mein junger Wirth litt an dem sich eben bei mir einstellen-Uebel, welches mir anfangs nur momentane Ermüdung schien, aberAmtlich durch den Druck der schweren Atmosphäre auf die Nerven sich^d nachhaltiger zeigte. Mein junger Pagenhofmcister saß Stunden langsprach- und, wie mir es schien, auch gedankenlos. Er war bereits einAusgebildeter Hypochondrist.

Am nächsten Morgen weckte und beschäftigte mich eine Erinnerung"us fernster Jugendzeit; meine geistigen und physischen Funktionen hat-ün also durch den Schlaf neue Spannkraft gewonnen, denn solche Bil-erblühen nur einem gestärkten und gesunden Gedächtnisse; so eilte^ denn schnurstracks und frohen Sinnes nach der großen Newabrückc,^ Welcher ich gestern meine städtischen Wanderungen wegen zu großer^uttigseit hatte einstellen müssen.

Es war für heute meine Absicht, das berühmte Monument von^ler dem Großen aufzusuchen; es mußte nach den mir gegebenen Zu-^tweisungcn in der Nähe der großen Newabrücke sein; auch erinnerte'§> wich, paß mein erster Lehrer in der Geographie damals im Kali-s^r Kadettencorps mir erzählt hatte, wie die colossale Reitcrstatue desEssers auf einem ungeheuern Felsen stände, den man mit unermcßli-Kosten im Winter über den Ladogasee nach St. Petersburg transpor-

t3*