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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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ihrem Abmärsche ganz laut begrüßte (dies ist in der russischen Armeenämlich herkömmlich), und schon drängte der entscheidende Augenblick.Man konnte es daher deutlich bemerken, wie der Großfürst über daslange Außenbleibcn des diensthabenden Generals in höchstem Grade un-willig geworden und sich mehrere Male laut und, nach russischer Sittennd Disciplin, wie leicht begreiflich, auch gar sehr verständlich geäu-ßert hatte.

Endlich kam der längst Erwartete; ein kleiner dicker Mann mit eis-grauen Haaren, dessen militairische Tenne sich gerade nicht der accura-lka Paradedrcssur der klebrigen harmonisch anschloß. Zwar zierten dieBrust desselben einige Sterne und Orden und zeigten von langer krie-gerischer Dienstzeit, aber die letztere kann bei großen Paraden durchausWcht berücksichtigt werden, eben so wenig als Sterne und Orden jetzt inLasern aufgeklärten Zeiten als untrüglichespour Is vrai mörite" inBetracht genommen werden können. Die Generals-Uniform des kleinenMannes war verschossen, die Epaulettes abgetragen, der Anzug nachlässig,Und die ganze äußere Haltung verrieth nur zu sehr, wie der alt gewor-bene General-Inspecteur durchaus nicht mit den Anforderungen der Zeitbuchmäßigen Schritt gehalten hatte.

Der Unglückliche lahmte obcnein, Blefsuren schienen die Ursache zuUn; das konnte und durste aber bei einer großen Parade ebenfallsWcht als Entschuldigung gelten.

Dazu gesellte sich, was eigentlich das Uebelste zu nennen, die Angst,ßch verspätet zu haben, und die scharfen Zurechtweisungen seines Kai-Ulichcn Chefs fürchtend, beeilte sich derselbe, seine Versaumniß in so-Uir wieder gut zu machen, daß er sich in eine möglichst schnelle^"gart versetzte, welches aber bei seiner dicken, etwas unbehülflichcn8>gur den Eindruck des Lächerlichen hervorbrachte. Nun war der armeMann verloren. Er trat athcmloö, den Czako rückwärts in den Nackenschoben, auf den Paradcplatz und machte zitternd Halt vor seinem^«gcn Kaiserlichen Richter. Knechtische Furcht vor den Vorgesetzten /^ aber immer nur ein negatives Resultat. Auch fuhr ihn der Groß- >^st mit einem so scharfen Ausdruck und mit einem so schnciden-

Tone entgegen, daß der alte General sprachlos, fast zusammen;»-