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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Der Kaiser:Höre, Iwan Jwanowitsch*), ich habe Dich fürden nächsten Feldzug zum commandirenden General meiner Armeeder Türkei bestimmt, und ich hoffe, daß Du in meiner Wahl, indem ^Dich allen meinen ältern Generalen vorziehe, eine ganz besondere Ka^scrliche Huld und gnädiges Vertrauen zu Dir erkennen wirst."nachdem der Kaiser die Vortheile und die glänzenden Aussichten, unterwelchen der neue Feldzug begönne, hervorgehoben, glaubte er in denGesichtszügcn seines Generaladjutanten statt der Freude nur traurig?Befangenheit abzulesen. Er fuhr deshalb in seiner Rede etwas verwEdert weiter fort:

Aber Iwan Jwanowitsch, wie kommt es, daß Du an meinerscrlichcn Gnade und der Dir gewordenen großen Auszeichnung kein?"freudigen Antheil nimmst? Hast Du keine Worte des Dankes?"

Diebitsch verbeugte sich tief vor seinem Kaiserlichen Herrn undhen Gönner, bekannte demselben mit den innigsten Worten, wie er, durchsdrungen vom Dankgefühl, diesen zwar nicht aussprechcn könne, daß ab??zugleich sehr ernste Betrachtungen seine Seele erfüllten, Betrachtung?"'welche er kaum wage hier laut werden zu lassen.

Der Kaiser:Was ist's, Iwan Jwanowitsch, das Dich guäÜ'gestehe es mir offen, ich befehle es Dir als Dein gnädiger Kaiser."

Worauf Diebitsch in wenigen, aber ehrfurchtsvollen Ausdrücken s?'^nem Kaiserlichen Herrn gestand, daß er nicht wisse, wie er jetzt eb?"St. Petersburg verlassen könne, weil er in seinen finanziellen Verhältnissen zu sehr derangirt sei, um die großen Unkosten zu decken, dieeiner so glänzenden Bestimmung und einer so schnellen AbreiseSt. Petersburg durchaus verbunden wären.

Der Kaiser ruft hierauf wie erstaunt:

Aber sage mir, Iwan Jwanowitsch, wie ist dies möglich?warst ja während zehn Jahren der intimste Freund und Begleiter r"?'"nes Bruders, des Kaisers Alexander hochseligen Andenkens. Noch ^

*) Der Russe gebraucht stets in der Anrede das vertrauliche »Du«, nenntbei seinem Tausnamen und fügt solchem nur des Vaters Taufnamen bei.Jwanowitsch heißt Hans Hansens Sohn.