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Nachdem ich in Kurland während mehrerer Monate in gemüthlicherZuriickgezogenhcit im Kreise meiner Verwandten und genauen Bekanntenmich von den bösen Einwirkungen und Folgen meiner St. PetersburgerWinter- Campagne erholte, und überhaupt mit der eingetretenen schönenJahreszeit alle geistigen Funktionen ihre Spannkraft wiedergewonnen hal-ten, ging ich Mitte Juni nach Mitau, um in dieser Hauptstadt (die freund-liche Residenz der ehemaligen souverainen Herzöge, welche Jahrhundertedas fruchtbare Ländchcn glücklich und beglückend regiert hatten), um dort,wiederhole ich, die Festtage des Jahres, während der JohanniSzcit, mitzu-feiern. Mitau hat nahe an 30,000 Einwohner, liegt in einer fruchtbarenEbene, nur 6 Meilen von Riga entfernt, ist meist neu gebaut, und gewährtmit großen Plätzen und schönen neuen geradelinichten Straßen einen ange-nehmen Eindruck. Diese sehr oberflächliche topographische Skizze entwarfich nur, um zugleich angeben zu können, daß außerhalb der Stadt das ehe-mals herzogliche Residenzschloß, jetzt die Wohnung eines russischen Rcgik-rungspräsidenten, liegt. Es schließt sich dasselbe mit seinen imposanten Fron-ten zu einem kolossalen Viereck, in dessen innerm Raume sich zur Zeit mei-nes Aufenthalts ein gewaltiges Leben und Treiben gestaltete; die Kaisinuwurde erwartet, und ihr Bruder, Prinz Carl von Preußen, führte dieHerrscherin nach längerer Abwesenheit in ihre nordischen Staaten zurück-„Auch der Kaiser wird eintreffen", zischelte man sich in die Ohren-
Nach einer kleinen Einschaltung will ich sehr bald auf dieses russi-sche Evönement zurückkommen, da es in meine ferneren Wanderung^bedeutende Eingriffe macht, und auch in dieser Beziehung ein Ele-ment genannt werden kann.
Im ersten Jahrzchend unsers Säculi fand, wie bekannt, LudwigXVIII. hier in Mitau einen Zufluchtsort gegen französische Verfolgsgen. Der Bourbonische Prätendent, welcher zuletzt dennoch auf de>ü
darf, aufgeführte trigonometrische Gebäude mußte nun wieder rückwärts berech ^der begangene Fehler vertheilt werden, und dabei ist denn, wie begreiflich^^mancher sphärische Erceß aufzuheben oder zu beseitigen gewesen. 3ch^ ,zwölfOfficiere haben vielleicht eben so viel Jahre genanntes Bercchnungsg^^ausgeführt. Dieser RcchnungSfehler mag, gleich manchen andern im Leben,sehr viel Geld und, wie man sah, sehr viel Zeit gekostet haben,noch, 25 Jahre später als die Zeit wo ich topographirte, sucht man jene vzu verbessern.