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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Hier sind sie; vorerst muß ich jedoch sagen, daß:

Eduard, ein junger kurländischcr Edelmann, wie die meisten der noble»Söhne des Landes, aus deutschen Universitäten geistig ausgebildet, und durchReisen in England, Frankreich und Italien fiir's praktische Leben gekräftigtbald nach seiner Heimkehr in der nordischen Residenz als Lehrer oderfessor sein Unterkommen suchte. Dies war ja auch der erste Anknüpfung^Punkt zu einer Laufbahn, welche er sich fiir's Leben vorgezeichnet hatte.

Eduard war nicht in Besitz von Glücksgütcrn, aber in seiner Brichlebte nächst dem Wunsch für unabhängige geistige Wirksamkeit auchreiche edle Gefühl, seinen Geschwistern als ältester Bruder einst helfetund sorgend zur Seite stehen zu können.' Der glückliche Zufall begii»'stigte anfangs den jungen Candidatcn; er fand sehr bald im Hause cunes sehr vornehmen Mannes was er gesucht und gewünscht, nänib^die freundlichste Aufnahme, und in der Verpflichtung, den einzigen Soh^einen Knaben von zehn Jahren, für's Leben vorzubereiten und in's ^bcn einzuführen, genügende Beschäftigung. Der kaum vierzehnjährig^Tochter ertheilte Eduard ebenfalls Musik und Sprachunterricht.

Sehr bald aber entwuchs die Schülerin den ersten ElementenUnterrichts und ein gegenseitiges Gefühl schloß schnell den Bundhöhern Lehrzeit; die jugendlichen Herzen pflegten und sonnten sichHochgenüsse der ersten reinen Liebe, ehe noch die Lippen es wagten, ^dieses in Worten zu gestehen.

So vergingen Freudenjahre in ungetrübter Wonne; der strenge^ter selbst begünstigte, wie es schien, stillschweigend, doch eigentlichbewußt, ein solches Verhältniß; denn seine Pflicht am Kaiserlichenund der Dienst seiner äußern militairischen Stellung hielt ihn den g

ten Theil des Tages von seiner Familie entfernt. So ließ er seine

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terlosen Kinder unter Aufsicht eines jungen Mannes, den erseiner vortrefflichen Eigenschaften ehrte und achtete, doch konnte esmaterielle Russe wohl nicht ahnen, in welche Gefahr er durch se>»^vorsichtige Handlungsweise ein edles deutsches Gemüth stürzte. ^ ^wußte zwar das Vertrauen zu rechtfertigen, aber um so innige

sich dessen bestrebte, was ein fester und nobler Charakter ihn

lehrte,

um so fester schlang sich das Band, das die jungen Leute, wie es sehllunauflösbar an einander gekettet hatte.