Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
257
JPEG-Download
 

257

Kaisers Zelt umschloß; ich erbat mir hieraus von dem dort Wachehaltenden Gensd'armen-Officier mit bescheidenen, aber bestimmt ausge-sprochenen Worten Einlaß. Schon stand der Officicr im Begriff, mirden Zutritt zu gestatten, da derselbe vermuthlich durch meine fremdartigeErscheinung und Sprache einen der zur Zeit anwesenden hohen Gästevermuthete, als unser, nur halblaut geführtes Zwiegespräch sogleich ausdem nebenstehenden kleinern Zelte den Kriegsminister, jetzigen FürstenEzernicheff, herbeirief. Nachdem ich demselben in wenigen, respectvol-len Worten mein Anliegen eröffnet hatte, wendete er sich zu meinemFaunen erst gegen den Gensd'armen-Officier, gab demselben einenlehr derben Verweis darüber, daß er mich nicht sogleich zurückgewiesen^be, und belehrte mich dann, wenn zwar in etwas ruhigerm Tone, je-doch nur mit äußerster Mühe seinen Unmuth unterdrückend, wie folgt:"Es wäre durchaus nicht russische Sitte, daß Jeder rr don plrumr denKaiser sprechen und belästigen (impoi-tunsr) könne; ich müsse meinbiegen, welches er übrigens zu seiner nicht geringen Verwunderung gar"'cht kenne, erst bei ihm (dem Kriegsminister) zum Vertrag bringen,vorauf er nur einzig und allein und kein Anderer dem Kaiser Rapport^statten könne und würde. In zwei oder drei Tagen werde ich fürmein Freund, in einer bestimmten Stunde im Gcncralstabe zuPetersburg zu sprechen sein." So weit Czernichcff.

Wenn auch die Unterredung am Schlüsse eine ziemlich artige Wen-nahm und sogar in eine verbindliche Weise überging, so war^ doch mit einem so scharfen und hochmütigen Tone begonnen, undAnders dasich einzig und allein und kein Anderer" so^chdrüMch hervorgehoben worden, daß ich sehr leicht den eigentlichenE^undion der Rede erfassen konnte. Ich hatte nämlich im Winter undallerdings den Fehler begangen, dem Minister, welcher zugleich Chef^ öesamnitcn Gencralstabes war, mich nicht vorstellen zu lassen, da ich^meinte, General von Adlersberg sei in Rußland, wie General v. Witz-°den in Pr^ßen, die allein zu entscheidende Behörde. Ich nahm mirin diesem eben beschriebenen Augenblicke fest vor, den Grafen Czer-""heff in St. Petersburg nicht aufzusuchen, sondern abzureisen.

Wenn man die hier unmittelbar vorstehenden drei bis vier Bogen

"'A-chd-n, Wanderungen II. 17