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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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dcrt Schritte vor uns lag, und dabei gedachte derselbe mit liebenswür-digster Laune des komischen Zusammentreffens der Umstände, daß er alsPreußischer Prinz auf schwedischem Boden lande, ohne daß irgend Je-mand, am wenigsten der Kronprinz, jetziger König Oscar, den wir kürz-lich in Peterhoff täglich sahen, eine Ahnung davon haben könne. Durchganz natürliche Jdeenverbindung bemerkte hierauf Butenicff, daß PrinzCarl hierin dem Heldcnkönige Carl XU. gleiche, als derselbe das ersteMal im feindlichen Dänemark an's Land stieg.

Unserm Prinzen gefiel diese artige Wendung, und schnell wurdendie Rollen der wichtigen Männer, welche damals den jungen Helden-könig begleiteten, unter uns vertheilt, und dabei scherzweise festgestellt, daßwir während der wenigen Stunden, wo wir auf Gothland sein würden,die uns zugefallenen Personen mit ihren Charakteren durchzuführen hät-ten. Ich erinnere mich mit Bestimmtheit, daß mir, als demjenigen, wel-cher im Gefolge des Prinzen nicht militairische Kleider trug, die Eh"widerfuhr, einen Minister darzustellen. Glücklicher Weise spielte ich alssolcher hier, wo es weder galt weise Rathschläge zu geben, noch ein fei"diplomatisches Benehmen zu entwickeln, ganz anpassend meiner eigentli-chen Stellung, eine sehr unbedeutende Rolle.

Unser Spazierweg führte uns zufällig zu einem kleinen Mcierhofiam andern Ende des Dorfes; es schien dieser zugleich die vornehmsteBesitzung zu sein, und war von allen Seiten durch einen ziemlich ho-hen, sogenannten Staketenzaun geschlossen. Aus dem obern Stock desWohngebäudcs tönte auf einmal eine sehr melodische weibliche Stimmeunter Guitarren-Begleitung; dies war wahrlich genug, um das Sel-tene und Ucberraschende dieses Ereignisses mitten in den Sanddünen ei-ner unwirthsamen Küste noch zu steigern.

Kaum hatte unser Prinz den Wunsch ausgesprochen, nähere Erkuwdigungcn über die Sängerin einzuziehen, als auch der Oberst Buteniefftrotz seines fehlenden Armes, den hohen Zaun leicht cscaladirte, ^von innen verriegelte Thor sogleich öffnete, und so befanden wir unsnach wenigen Minuten in dem niedlichen Mansarden-Stäbchen der al-lerliebsten Guitarrcnspielerin.

Doch muß ich hier gleich zur Beseitigung jedes, auch des kleinst^übelgesinnten Beisatzes sagen, daß die Sängerin ein Fräulein von En