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Es giebt Männer, die, mit einer seltenen Kraft der Seele ausge-stattet, sich der Gefühle ihrer Mitmenschen zu bemächtigen und sie s"beherrschen wissen, ohne daß sie es selbst einmal zu ahnen scheinen, ohnedaß sie es selbst nur wollen.
Es ist diese Kraft ein unbegreifliches, ein unbeschreibliches Etwas,das wie ein magnetisches Fluidum ihrer großen geistigen Natur undÜberlegenheit ausströmt und uns andere Alle unaufhaltsam ihnen zu-führt und an sie unauflösbar fesselt.
Eine solche Natur war die unsers Grolman's.
Ehe ich nun selbst diese Wahrheit erkannte, ehe ich diese Ueberzeu-gung theilte, konnte ich auch nie den ganzen Umfang jener militantschen Liebe umfassen und ermessen, von welcher uns Shakspeare, derbewundernswürdige Deuter aller menschlichen Sympathien, der herrlicheDichter und Sänger aller menschlichen Leidenschaften, dennoch nur ei»so unvollkommenes Bild darstellt.
Ich glaube, wenn wir von unsern eigenen Gefühlen auf die Ge-fühle Anderer schließen dürfen, daß diese Soldatcnlicbe, d. h. die Licbrzu unserm soldatischen Ideal, gleichwie jede erste Liebe, wen»einmal verwaist, nie mehr wieder geweckt werden kann.
Unser soldatisches Herz bleibt dann ewig leer, und unser soldatisch^Sehnen stets unerfüllt.
So ist's mir, seitdem mein Ideal geschieden.
In dem vortrefflich geschriebenen Necrolog des Generals der 2'"fantcric von Grolman (preuß. Militair-Wochenblatt, Monat Oct^1843) heißt es unter anderm:
„ Die großen Begebenheiten der nächstkommcnden Jahre 1813,
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und 15 sind zu bekannt, als daß wir in dem Nachfolgenden mchc ^ ^wähnen sollten, als was den Vollendeten unmittelbar betrifft." 3chweise daher den freundlichen Leser meiner Wanderungen auf jene,eben gesagt, vortreffliche Schilderung des bewunderungswürdigen, ^tenreichen Lebens unsers Helden; ich selbst mag für diese meine Blaweder dort abschreiben, noch kann ich viel Neues hinzufügen.
Aber ich will es versuchen, aus meinen eignen KricgserfahruNÜjener großen Zeit einige Glieder der fast endlosen Kette der hohen ^