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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Sobald jedoch der ächt militairische Begriff eines unumschränkten Be-fehlshabers aufgehoben wird, kann natürlich auch keine unbedingte Ver-antwortlichkeit mehr stattfinden.

Ohne diese Annahme, welche hiermit als Factum erhoben und con-statirt wird, könnte jedoch der Vertheidigung der Citadelle, wie solchewirklich stattgefunden hat, mit einigem Rechte vorgeworfen werden, daßsolche im Allgemeinen nicht activ genug, d. h. mit der Defensive keinekräftige Offensive vereint, geführt worden ist. Dieser Fall ist um stwunderbarer und auffallender, da der kriegerische Charakter des Gene-ral Chasss allen feinen militairischcn Operationen sein Leben lang jenenkräftigen Stempel aufgedrückt hat, welcher hier nicht angetroffen wird,und so ist dies nur ein Beweis mehr für umstehende Voraussetzung.

Dies eben Gesagte führt uns nun auf die Betrachtung, daß ei»großer Theil der materiellen Mittel, welche in der Citadelle aufgehäuftwaren, unbenutzt geblieben.

Halten wir nun diesen letzten Punkt fest, so finden wir, daß dieStärke der Infanterie der Besatzung, die vorthcilhafte Lage der Cita-delle und des anliegenden Terrains besonders in den ersten Tagen derBelagerung zu den kräftigsten Ausfällen der Garnison aufforderte.

Erläutern wir dieses.

Ein Vicrthcil der Besatzung, also beinahe 1000 Mann, waren im-mer disponibel, um offensiv zu opcrircn. Ausfälle von 500 kämpftereiten Soldaten, gefolgt von 2- bis 300 bewaffneten Arbeitern, wäh-°rcnd des Nachts vermöge des Hilfs- und Wasserthors, hinter der ku-nette Kiel, oder selbst auch hinter der Luncttc St. Laurcnt gcsanunestund mit anbrechendem Tage gegen den linken Flügel und das Centrumder feindlichen Arbeiter losgelassen; und dies jeden Tag wiederholt, undimmer wieder mit neuen und ausgeruheten, und wohl beachtet, gut ver-pflegten Truppen unternommen, hätte der Belagerung, besonders in dcuersten vier bis fünf Tagen, gar bald eine andere Physiognomie gegeben-

Selbst während der Desaster» des Bombardements konnte, wennauch unter erschwerenden Umständen, dies oben Gesagte in's Leben 0^lcn. Dazu gehörte aber, dasi die Flottille auf'ö Thätigste mitwirknmußte. Und hier finden wir nun sogleich den Belag zu der von »»>