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der Spleen, bereits drei oder vier unglückliche Spleenbefallene hattensich auf Lillo erschossen. Der einzige Abgang durch Pulvcrgewalt.
An einem der kältesten und unangenehmsten Märzmorgcn, so rechtin der Blüthenzeit des edlen Spleen, wandelte auch ich mit etwas demähnlichen Gefühlen am lieblichen Gestade der Scheide; eben war Ebbeeingetreten und Hunderte der seeeinwärts angespühlten Muscheln wurdenzum nahen Mittagsmahl emsig aufgesammelt. Da kommt das kleineBriefboot von Bath herüber! Wohl schon funfzigmal hatte ich die-selbe Promenade zu dessen Empfang gemacht, aber immer war ich mitunbefriedigtem Sehnen in der Brust zurückgewandert. Keine Menschen-seele erinnerte sich mehr an mich! Heute war es mir jedoch ein Ret-tungsboot; es überzeugte mich, daß man doch noch an mich dachte.
Ein wohlbeleibtes Packet mit der Adresse: äsn Kanonier
vrgHIIiZsr V. k. tlian 8 (früher) prui8si80llsr kapitsin" gelangtean mich.
Eine mildthätige Frauenhand, die Baronesse von Estorff, Erste Hof-dame I. M. der Königin, übersandte mir aus dem Haag Winter-Be-kleidungsstücke.
Acht Tage später erhielt ich durch den Colonel Backe die dienstlicheOrdre, nach der Residenz abzugehen und mich daselbst bei dem PrinzenFriedrich zu melden.
Diesen 24sten März 1833 vergesse ich wohl niemals. Ich glaube,wenn man auf Lebenszeit zur Arbeit in den Blcigruben oder zum Zo-bclfang in Sibirien condemnirt ist und durch einen unerwarteten Glücks-fall zur Freiheit gelangt, kann die Freude nicht größer sein, als dieseNachricht mir bereitete. In Sibirien scheint doch die Sonne und denstarren Boden deckt reinliches und blendend weißes Eis und Schneege-fild, doch in Lillo und Liefkenshoek sieht man nur sehr selten die ver-blaßte Sonnenscheibe und schwarz und grundlos ist das Kleid der gu-ten Mutter Erde; glücklich also, wer dort nicht leben darf.
Im Haag eingetroffen erhielt ich den Befehl, am nächsten Mitt-woch um 10 Uhr mich in dem Empfangssalon des Königlichen Schlos-ses cinzufinden.
Jeden Mittwoch nämlich gab der König Wilhelm I. seinem Volke